Colorado/USA [Bericht 1 2 3 4 5 6 ]
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9. Tag (27.9.98): Echo Lake -> Georgetown -> vor Grant
Die Nacht auf dieser Höhe (3200 m) war wirklich saukalt. Wir hatten alle Kleidung übergezogen und den Schlafsack eng zugezogen. Das Wasser in unseren Trinkflaschen ist an der Oberfläche fest gefroren. Aus dem Schlafsack zu kriechen und die Radlsachen anzuziehen ist in der Kälte nicht sehr angenehm. Wir bauen schnell das Zelt ab und schleppen sämtliche Sachen zu einem Steintisch, der bereits in der Sonne liegt. Schnell wird uns wieder warm und nach Semmeln mit Peanut-Butter freuen wir uns auf die Abfahrt. Zuerst machen wir jedoch noch an dem Hinweisschild zum Mnt. Evans ein Foto. Als wir nach einer rasanten Abfahrt wieder in Idaho Springs ankommen, füllen wir an einer Tankstelle unsere Benzinflasche für den Kocher wieder auf. Ein Herr, der gerade tankt, füllt schnell unsere Flasche und schenkt uns das Benzin. Weiter geht's auf kleinen Nebenstraßen an dem großen US-Highway 70 entlang bis Georgetown, eine kleine Stadt im Kolonialstil, sehr hübsch. Von hier an steigt die Straße steil an zum Guanellapaß, vorbei an vielen Bergseen. Am Clear Lake machen wir den ersten richtigen Mittagsstopp auf unsere Tour. Wir setzen uns ans Ufer des kristallklaren, tiefblauen Sees und essen Kekse und einen Apfel. Wunderschön. Als wir weiterfahren wird aus der Asphaltstraße Schotter. Die vielen Ausflügler mit ihren Autos wirbeln eine Menge Staub auf. Sonntag ist ein schlechter Wochentag für dieses Teilstück. Nach dem Guanella-Paß brettern wir die Abfahrt Richtung Grant hinunter. Oft haben sich auf der Schotterstraße kleine Wellen gebildet. Ich bremse zu spät und poltere mit voller Wucht über solche Wellen. Sofort bekomme ich die Quittung: ein zischendes Geräusch an meinem Hinterrad. Durch die schweren Gepäcktaschen ist der Reifen bis auf die Felge durchgeschla-gen, ein SnakeBite. Peter ist ca. 50 m vor mir, kann aber mein Rufen nicht mehr hören. Ich flicke den Reifen. Leider hat jedoch Peter die Pumpe. Ich stoppe einige Geländewagen und frage nach Autoventil-Luftpumpen. Keiner hat eine. Sie fahren weiter und verständigen Peter, der ein gutes Stück zu mir wieder bergauf fahren muß. Nach dem Aufpumpen merken wir, daß der Flicken zu klein ist für den großen SnakeBite, wir nehmen unseren Ersatzschlauch. Ohne weitere Zwischenfälle erreichen wir den "Burning-Bear"-Campground kurz vor Rand. Außer einem großen Wohnmobil war kein Mensch da. Das Wasser muß man sich mit einer großen Hebelpumpe herauffördern. Es ist etwas gelb und wir achten darauf, es gut abzukochen. Viele Bärenwarntafeln, der Name des Campgrounds und die nicht abgegrenzte Lage im Wald lassen uns bei jedem Geräusch umschauen. Bären sind wir jedoch nicht begegnet.




10. Tag (28.9.98): vor Grant -> Buena Vista
Wir schlafen lange aus, frühstücken Äpfel und Kekse und fahren bis Grant. Unsere Vorräte sind wieder total erschöpft. Leider gibt es in Grant genauso viel wie vor einigen Tagen in Rand, nämlich gar nichts. Der kleine "Grant-Store" hat nur 3 Nachmittage pro Woche auf, Pech gehabt. Auf dem Highway 285 fahren wir über den Kenosha Pass. Oft wird man von großen Trucks überholt. Auf der Paßhöhen bietet sich uns ein Blick über weites Prärieland. Der Wind weht uns entgegen. Wir sind etwas östlich aus den Rocky Mountains heraus geraten. Mit Windschattenfahren kämpfen wir uns bis Jefferson vor. Das einzige Geschäft in Jefferson ist Post Office, Supermarkt, Gebrauchtwarenhändler und Restaurant in einem. Wir kaufen die fast einzige Nudelpackung, die die Dame im Angebot hatte. Ich mache mir mit der Microwelle ein HotDog warm und Peter nimmt einen ClamChowder, den die Dame morgens in einem großen Topf gekocht hat. Die Wurst für mein HotDog riecht verdächtig streng aus der Microwelle und ich versenke sie in einem unbeobachteten Moment im Mülleimer. Aus der Semmel entferne ich ein seltsam schwarze Stelle und esse den Rest der Semmel und Peter seinen ClamChowder an einem Campingtisch im Laden. Als wir den Laden verlassen haben, schieben ich mir noch eine Powerbar hinterher, bis Fairplay sind es noch gut 15 Milen durch die Prärie. Links und rechts sehen wir riesige Rinder-Herden. In Fairplay essen wir ein kleine Pizza und kaufen bei einem kleinen Laden Proviant ein. Die Pizza ist supergut. Weiter geht's! Die Straße ist eben und gerade, der Gegenwind zehrt an der Kraft. Um etwa 16:00 Uhr fahren wir an einem edlen privaten Campground vorbei, mit Teich, Golfanlage und jedem Luxus. Wir sind ziemlich müde und die Verlockung hier zu bleiben ist groß. Allerdings sind es auch nur noch 14 Milen bis zum KOA Campground in Buena Vista. Dort könnten wir dann einen ganzen Ruhetag einlegen. So beschließen wir, doch noch weiterzufahren. Der Trout Creek Pass erweist sich einfacher als befürchtet und ab der Paßhöhe können wir es nur noch bergab bis zum KOA Campground laufen lassen. Der KOA Campground ist riesig mit eigener Reitschule und Raftingveranstaltungen im Sommer. Nach 4 Tagen ohne rasieren und duschen sehen wir recht wild aus. Trotzdem ist die Dame sehr nett und gibt uns einen schönen Platz. Wir genießen die heiße Dusche und rasieren uns. Mein kleiner Batterierasierer ist der Aufgabe nicht mehr gewachsen, Peter leiht mir seinen Naßrasierer und schenkt mir eine Klinge. Meine erste Naßrasur geht ohne Blutvergießen über die Bühne. Wir kochen unsere obligatorische Nudelmahlzeit und den Kakao. Als es leicht zu regnen beginnt, wasche ich den Topf und das Besteck ab und Peter schreibt im Aufenthaltsraum Tagebuch.



11. Tag (29.9.98): Ruhetag in Buena Vista
Nach dem Frühstücken waschen wir unsere gesamte Radlkleidung in einer Maschine im Waschraum. Es ist höchste Zeit, den ganzen Dreck und Staub loszuwerden. Wir spannen zwei Zeltleinen auf und hängen die Wäsche in der Sonne. Dann gehts ohne Gepäck ca. 3 Milen nach Buena Vista hinein. Bei einem Bikeshop findet Peter eine rot eloxierte Luftpumpe, die optisch optimal zu seinem Bike paßt. In einem Pizza Hut haben wir ein allyou-can-eat-buffet erwischt, für nur $5 pro Person. Nettes Mädchen schenkt Sprite nach bis zum abwinken. Was will ein Biker mehr? Absolut vollgefressen kaufen wir noch einige Vorräte und Postkarten ein und treten die Rückfahrt zum Campingplatz an. Langsam setzt wieder Regen und Wind ein. Wir haben Angst um unser Wäsche auf der Leine und beeilen uns. Als wir ankommen sammeln wir einige Wäschestücke auf, die es von der Leine geweht hat. Der Regen hat aufgehört und wir schreiben Postkarten. Am Abend spricht uns unser Campingnachbar an und teilt uns mit, daß die SPD mit Schröder die Bundestagswahl gewonnen hat. Er schenkt uns seine Zeitung und wir können uns nach knapp 2 Wochen mal wieder informieren, was in der Welt so läuft.

12. Tag (30.9.98): Buena Vista -> St. Elmo -> vor Pitkin
Unser Frühstück besteht aus 10 Kelloggs-Probierpackungen. Jetzt wissen wir genau Bescheid, was man aus dem riesigen Cereal-Angebot in einem amerikanischen Supermarkt kaufen kann und was nicht. Bloß keine Fruit Loops! Die Dame vom Campingplatz empfiehlt uns auf einer kleinen Karte der Gegend die Route vorbei an den Priceton Hot Springs, den Agnes Vaille Wasserfällen und der Geisterstadt St. Elmo. Ursprünglich wollten wir weiter nördlich über die Bergkette, aber eine originale Geisterstadt vom Goldrush können wir uns nicht entgehen lassen. So fahren wir ein kleines Stück in Richtung Süden und biegen dann in Richtung Mnt. Priceton ab. Unsere Route führt südlich am Mnt. Princeton vorbei. Von den Hot Springs sehen wir leider gar nichts. Zu den Agnes Vaille Wasserfällen führt von der Straße aus ein kleiner Pfad. Anfangs können wir noch fahren, doch bald muß ich mein Rad abstellen und auch Peter schließt sein Rad wenig später an einen Baum. Nach 10 Minuten Fußmarsch sehen wir einen recht enttäuschenden Wasserfall. Nichts besonderes. Wir begeben uns zurück auf die Straße und fahren weiter Richtung St. Elmo. Die Straße wird zu einem Schotterweg. In einer Kurve mit Ausblick auf die bunten Bergwälder fragt uns ein Ehepaar mit Geländewagen, ob wir von ihnen ein Bild machen könnten. Wir nutzen die Gelegenheit und bitten um den gleichen Gefallen. Das Wetter ist unbeständig geworden und wir machen einige Stopps um die Regensachen an- und auszuziehen. Die Geisterstadt St. Elmo übertrifft alle unsere Erwartungen. Viele originale Gebäude, das Rathaus, das Gericht und Gefängnis, sogar der Strick hängt noch an der Wand. Leider sind alle Gebäude in privatem Besitz und verschlossen. Wir machen eine Pause, essen Müsliriegel und Chips und überlegen uns mit der Karte, welchen Übergang über den Bergkamm wir wählen sollen. Bei beiden Möglichkeiten müssen wir eine 4-wheel-road in Kauf nehmen. Wir wählen den Übergang über den Williams Pass. Der Schotterweg zieht sich steil, aber noch gut fahrbar den Berg hinauf. Die ausgeschilderte "Marry Murphy Mine" wollen wir uns nicht entgehen lassen und fahren einen Stichweg links hinein, der so brutal ansteigt und so grob ist, daß wir die Räder an einen Baum schließen und zu Fuß weitergehen. Wir treffen eine Familie die unter einer alten, verfallenen Erzgondelbahn etwas zu suchen scheint. Auf unsere Frage, was sie suchen, war die Antwort: Gold !!! Der Vater zeigt uns einen schwarzen Brocken Stein, aus dem es an einigen Stellen golden hervorblitzt. Sofort packt auch uns das Goldfieber und auch wir finden einige Brocken mit golden glänzenden Einschlüssen. Wir merken kaum, wie die Zeit vergeht und können uns nur schwer von dem "Goldfeld" losreißen, doch wir müssen noch über den WilliamsPass und wir haben keine Ahnung, wieviel wir fahren können und wieviel wir schieben müssen. Jeder packt fast ein ganzes Kilo "Goldgestein" ein und wir fahren weiter Richtung Williams-Pass. Auf einer Lichtung treffen wir einen Geländewagen und der Fahrer hilft uns mit seiner detaillierten Karte weiter. Wir sehen die alte Trasse der Eisenbahnlinie zum alten Alpine-Tunnel. Wir müssen jedoch auf unsere 4-wheel-road abzweigen. Zwei Schilder "4-wheel-road - high clea-rance required" und "closed for winter" lassen uns nicht Gutes erahnen. Wir heben die Bikes über den Schlagbaum. Sofort steigt die Straße brutal an und große Steinbrocken machen das Fahren unmöglich. Das einzige Mal auf dieser Tour beneide ich Peter um den Rucksack. Die Fahrradtaschen machen das Schieben sehr an-strengend für die Arme. Wenn der Weg über den gesamten Kamm so schlecht bleibt, werden wir uns wohl auf eine Nachtwanderung einstellen müssen. Auf 3700 m bei eisiger Kälte sicher kein Vergnügen. Doch wir haben Glück und nach 200 m wird der Weg besser und wir können mit entsprechender Konzentration wieder fahren. Kurz vor der Paßhöhe wird aus dem Weg wieder eine Anhäufung von kniehohen Steinbrocken. Wir schieben und heben die Räder wieder und fragen uns, was das für ein 4-wheel-Geländewagen sein muß, mit dem man hier noch fahren kann. Auf einem spitzen Steinbrocken sehen wir eine große Schramme und dahinter eine Ölspur. Da hatte wohl ein Jeep keine "high clearance". Wir steigen weiter ab. Langsam dämmert es und wir sind immer noch auf 3700 m! Zu unserer Erleichterung treffen wir bald auf eine gute Schotterstraße, die ehemalige Eisenbahntrasse hinter dem Alpine-Tunnel. Mittlerweile ist es schon recht dunkel geworden und wir müssen bremsen um keine Schlaglöcher zu übersehen. Trotzdem versuchen wir möglichst schnell in Höhenlagen zu kommen, in denen es in der Nacht nicht zu kalt ist. Am Wegrand sehen wir alte Wasserbehälter um die Dampflocks damals wieder mit Wasser zu befüllen. Wir fahren durch wunderschöne goldene Laubwälder, das Laub raschelt unter den Reifen. Es wird sehr kalt und wir ziehen alle verfügbaren Kleidungsstücke über. Kurz vor der völligen Dunkelheit erreichen wir den National Forest Campground. Der Campingplatz ist schon für den Winter mit einem Schlagbaum versperrt, trotzdem gibt es fließendes Wasser und einen schönen Standplatz. Froh, diesen Platz noch erreicht zu haben bauen wir das Zelt im Licht des Vollmondes auf. Auch die Nudeln und der heiße Kakao tun bei dieser Kälte sehr gut.






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