13. Tag (1.10.98): vor Pitkin -> Gunnison
Mehrmals in der Nacht wurden wir durch schwere Berggewitter aus dem Schlaf gerissen. Donnerstöße ließen den Boden erbeben und Blitze machten es auch im Zelt taghell. Als wir morgens aufwachen, hören wir Regen auf das Zelt prasseln. Sch... Wir frühstücken im Zelt und bauen in einer kurzen Regenpause schnell das Zelt ab und verpacken uns selbst in GoreTex. Ohne Anstrengung lassen wir es bis Pitkin laufen, ein verträumtes Bergdorf. Als wir das Dorf verlassen macht uns der schlechter werdende Schotterweg stutzig. Kann das wirklich die Hauptanbindung des Dorfes an die Außenwelt sein? Wir schauen uns um und sehen auf der anderen Seite des Tales ein Auto fahren! Wir haben den falschen Weg eingeschlagen, fahren zurück und finden eine Asphaltstraße. Beim Blick zurück auf den Bergkamm über den wir gestern gekommen sind, sehen wir alles unter einer weißen Schneedecke. Glück gehabt! Es beginnt wieder zu regnen. Auf der Abfahrt bis zum USHighway 50 kämpfen wir uns durch strömenden Regen, Hagel und Sturm. Trotzdem hält uns GoreTex bis auf den Schweiß von innen fast vollständig trocken. Nur meine Hände in den Skihandschuhen werden naß und saukalt. Wir fahren Windschatten und ziehen die Fontäne des Hinterrades vom Vordermann dem stürmischen Gegenwind vor. Am Highway 50 angekommen, freuen wir uns, daß der Regen aufhört und fahren die restlichen 12 Milen bis Gunnison. Seit Steamboat Springs waren wir in keiner so großen Stadt mehr gewesen (4636 Einwohner). Im McDonnalds essen wir Mittag, ein Menü und einen Salat. An der Wand hängt ein großes Plakat, jeder der eine Arbeitskraft für diesen McDonnalds vermittelt, erhält $50! Die Amis haben sogar Probleme ihre Stellen zu besetzen. In Deutschland sieht es zur Zeit leider ganz anders aus. Da es hier auch einen KOA-Campground mit Cabins gibt beschließen wir hierzubleiben. Wegen dem unbeständigen Wetter und unseren nassen Sachen mieten wir uns eine Cabin. Superschöne Hütte, komplett aus Holz, sogar das Schanier der Tür, mit Heizung und bequemen Kunststoffmatratzen, für $ 30 minus 10% wegen unser KOA-Karte. Ein schönes Gefühl nach so vielen Tagen im Zelt wieder ein festes Dach über dem Kopf zu haben! Wir stellen die Heizung voll an und breiten alle nassen Radlsachen aus. Es hat aufgehört zu Regnen. Wir haben den gesamten Nachmittag frei. Mit der trockenen Schlafkleidung (Trainingshose, Fleece), fahren wir in die "Stadt" und kaufen bei WalMart ein. Ich erkundige mich nach einem neuen Fotoapparat, da bei meinem sowohl der Objektivverschluß nur unzuverlässig auf und zu geht, wie auch der Ein-Aus-Schalter nur nach langem probieren und schütteln funktioniert. Ich kann mich jedoch nicht entscheiden. Mit vollen Ortliebtaschen fahren wir zurück zum Campground, essen fürstlich, und lesen die Mountainbike-Zeitschrift, die Peter schon seit Buena Vista mitschleppt. Mit Licht in der Hütte sind wir sogar unabhängig vom Tageslicht. Trotzdem werden wir um 9:00 Uhr so müde, daß wir einschlafen.
14. Tag (2.10.98): Gunnison -> Sapinero -> Black Canyon
Wir haben auf den weichen Matratzen wunderbar geschlafen, doch komfortabler als die dünne Therm-A-Rest! Die Sonne scheint wieder, und der Regen von gestern ist vergessen. Nach dem Frühstück wollen wir ein Foto von der Cabin machen, wir brauchen gut zehn Minuten, die Kamera einzuschalten. Jetzt hat der Spaß ein Ende, wir fahren noch einmal zum WalMart und ich kaufe eine neue Samsung-Kamera und zwei weitere Dia-Filme (eine wirkliche Rarität in den USA). Wir werden noch von einem Mädchen mit Bikes auf dem Jeep angesprochen. Unsere Route geht heute lange an einem Fluß in einem breiten Canyon dahin. Wir haben Rückenwind und fahren ein gutes Tempo. Bei Sapinero fahre ich mir einen dicken Nagel ins Hinterrad. Klassischer Platten, Nagel geht an der einen Seite hinein und an der anderen wieder hinaus. Schnell flicken wir den Platten, Peters neue Pumpe leistet gute Arbeit. Wenig später telefonieren wir an einer einsamen Tankstelle heim und essen jeder eine kleine Pizza, die wir in der Microwelle heiß machen. Für den Abend dekken wir uns mit acht kleinen Donuts ein. Die Straße verläßt den Canyon und den Fluß, wird bergiger und der Wind bläßt uns entgegen. Wir nutzen den Windschatten. Ein Truck rauscht haarscharf an uns vorbei, wir retten uns ein Stück in die Wiese. So ein Depp! Nach vielen kräftezehrenden Hügeln erreichen wir den Abzweig in Richtung Black Canyon of the Gunnison. Da ohnehin eine Pause fällig ist, besuchen wir ein kleines Visitor Center. Kaum Informationen, nur Souvenirs und Verkauf. Bis zum State-Campground im Black Canyon of the Gunnison National Monument müssen wir noch satte 500 Hm Auffahrt bewältigen. Wir schalten einige Gänge zurück und lassen uns Zeit. Das Wasser wird wieder knapp. Hoffentlich bekommen wir für den Abend etwas. Am Parkeingang machen wir ein Foto von dem hübschen Schild. Die Häuschen für den Eintritt von $5 sind nicht mehr besetzt. Sehr schön. Wir fahren am Campground vorbei zum Visitor-Center. Leider gerade geschlossen, wir kommen morgen wieder. Zurück am Campground suchen wir uns einen schönen Platz. Wir sind fix und fertig. Gerade geht die Sonne unter. Ich fahre zurück zur Straße und mache ein Foto, Peter baut schon das Zelt auf. Wasser ist vorhanden, wird extra mit dem Truck hier hochgefahren, wir gehen sparsam damit um. Der Himmel ist klar und durch die reine Luft kann man viele Sterne sehen. Nach der Nudelmahlzeit gehen wir schlafen.
15. Tag (3.10.98): Black Canyon -> Montrose
Erst um 9:00 Uhr stehen wir auf. Wir frühstücken Kekse. Die Sonne scheint, wir lassen unsere Sachen im Zelt und machen uns ohne Gepäck auf den Weg, den Black Canyon zu erkunden. Die Straße führt am South Rim entlang und bietet an vielen View-Points wunderbare Aussichten auf den Canyon. Wir besuchen das Visitor Center, sehr schön aus dicken Baumstämmen gebaut mit Fensterfront und herrlichem Blick auf den Canyon. Durch diesen Canyon hat vor knapp 100 Jahren eine Eisenbahngesellschaft eine Bahntrasse gelegt. Unvorstellbar! Wir erwecken mit viel Mühe die alte Kamera zurück zum Leben und knipsen den fast leeren Film voll. Die gestern mühsam herauf gekrochene Steigung bereitet uns jetzt eine wunderbare Abfahrt. Zurück auf dem US-Highway 50 sind es nur noch wenige Milen bis Montro-se. Hier gibt es wieder einen KOA Campground. Wir bauen das Zelt auf und fahren zu einem McDonnalds. Ein Meal mit Salat ist ziemlich reichhaltig dafür, da wir heute kaum radgefahren sind. Die Putzfrau vom McDonnalds unterhält sich mit uns, sie hat seit Jahren keinen Urlaub mehr gemacht. Ihr Sohn will später mal Designer bei Crysler werden. Wir fahren zum WalMart und CityMarket und kaufen ein. Zurück am Campground gibt es eine ausgiebige Dusche. Das Nudelgericht ist an diesem Abend kein reiner Genuß. Wir sind zu wenig gefahren und haben mittags beim McDonnalds zuviel gegessen. Trotzdem, die Nudeln müssen rein, wir werden die Kohlenhydrate morgen vielleicht brauchen. Der Himmel bewölkt sich bedrohlich und starker Wind setzt ein. Genau aus der Richtung, in die wir morgen fahren müssen. Hoffentlich flaut er wieder ab. Am Abend ziehen Gewitter auf und es regnet in Strömen. Wenn es so bleibt, kann es morgen lustig werden!
16. Tag (4.10.98): Montrose -> Ouray
Wir wachen auf und hören den Regen auf das Zelt prasseln. Frustriert essen wir im Zelt unser Cereal. Gerade wollen wir uns in GoreTex verpacken und abbauen, da hört der Regen auf. Wenig später scheint die Sonne und wir können die Sachen fast trocken einpacken. Glück gehabt! Der Genuß im Sonnenschein biken zu können, hält leider nur bis kurz hinter Montrose an. Der Himmel zieht sich wieder zu. Es wird kalt und Graupelregen setzt ein. Unsere Bedenken, daß der Verkehr auf dem US-Highway 550 sehr stark sein könnte, bewahrheitet sich keineswegs, kaum Autos und ein breiter Seitenstreifen. Während der gesamten Auffahrt bis Ouray wechselt das Wetter zwischen Graupelregen und Sonne. Wir ziehen die GoreTex-Sachen an und aus. Je höher wir kommen desto kälter wird es. Wir sind froh über den Anstieg, er hält uns warm. Vor Ouray wollen wir den KOA-Campground nehmen, müssen aber feststellen, daß er schon geschlossen ist. So fahren wir weiter bis Ouray. Wir finden einen privaten Campingplatz und entschließen uns zu bleiben. Da wir den Campingwart nicht finden können und sein Büro geschlossen ist, suchen wir uns einen der 4 Zeltplätze aus und bauen auf. Der Boden ist lehmig. Wenn es in der Nacht regnet oder der Boden nicht friert gibt das eine riesige Sauerei. Wir wärmen uns bei einer ausgiebigen heißen Dusche auf. Die sanitären Anlagen sind etwas verkommen (eben kein KOA-Platz) aber das Wasser ist heiß. Was wollen wir mehr? Nur schwer können wir uns von der Dusche losreißen. Wir packen das Gepäck ins Zelt, fahren in die Ortschaft Ouray und entschließen uns in einem (gut geheizten) Restaurant einen Burger zu essen. Auch der heiße Kakao mit Sahne schmeckt super. Um 6:30 Uhr machen wir uns auf dem Campingplatz einen weiteren Topf Kakao und den üblichen Topf Nudeln. Heute Nacht behalte ich meine Fließjacke und die dicke Wind-stopper-Jacke im Schlafsack an. Wir waren schon fast eingeschlafen, als ich ein Doppelpiepser aus der Zelttasche von meinem Spy-Fahrradcomputer höre. Erstaunt nehme ich ihn heraus und muß feststellen, daß er eine mir völlig unbekannte Anzeige liefert und auf keinen Tastedruck mehr reagiert. Ich rechnete schon damit, daß alle gespeicherten Daten verloren sind und nehme ihn mit in den warmen Schlafsack. Etwa zwei Stunden später meldete er sich jedoch wieder mit einem Doppelpieps zurück und funktioniert, als ob nicht gewesen sei. Wieder zurück in München zeigt sich beim Download in den PC jedoch, daß er seit diesem Vorfall keine weiteren Daten mehr gespeichert hat. Bis Ouray war jedoch alles da.