17. Tag (5.10.98): Ouray -> Silverton
Schon morgens um 5:00 Uhr müssen wir raus. Wohl doch etwas zuviel heißen Kakao gestern abend. Schon die durchhängenden Zeltwände verheißen nichts Gutes. Wir machen des Zelt auf und finden uns in einer weißen Winterlandschaft wieder. Über nacht hat es gut 5 cm geschneit. Wir schlafen noch bis 9:00 Uhr, frühstücken im Zelt und ziehen uns im Zelt warm an. Es kostet Überwindung im Schnee und Schneematsch das Zelt abzubauen. Der lehmige Untergrund ist weich und klebt am Zelt. Wir suchen wieder den Campingwart um für unsere Nacht zu bezahlen, finden aber niemanden. Dann nicht. Wir steigen auf die Räder und fahren los. Ich muß feststellen, daß meinen Seilzugbremsen eingefroren sind. Die Vordere bekomme ich wieder funktionsfähig, bei der Hinteren habe ich keine Chance. Egal, es geht jetzt ohnehin erst 900 m zum Red Mountain Pass (11018 ft / 3358 m) hoch. Da werde ich die Bremse kaum brauchen. Wie werden die Verhältnisse 900 m weiter oben sein? Wird die Straße noch befahrbar sein? Schon als wir Ouray verlassen, sehen wir ein blinkendes Schild: "Snow tires or Chains required". MTB-Reifen werden wohl als Winterreifen gelten! Wenig weiter hält ein entgegenkommender Geländewagen an, als er uns sieht und warnt uns vor Glatteis weiter oben. Das kann ja lustig werden. Peter hat Bauchweh und wir fahren langsam in kleinen Gängen. An einer Baustelle scherzt ein Bauarbeiter, ob er unsere Reifen auch wirklich als Winterreifen durchgehen lassen könne. Die Reifen machen aber keine Probleme. Auf der Straße ist höchsten Schneematsch oder Schnee, aber kein Glatteis. Unter der Schneedecke auf den Wäldern im Tal blitzt überall noch das bunte Laub hervor. Wie nachträgliche Colorierung auf einem Schwarzweißbild. Eigentümlich. Das Wetter wird besser. Es ist zwar noch immer sehr kalt, aber die Sonne scheint. Auf der Paßhöhe werden wir von einigen Ausflügler angesprochen, was wir hier mit Fahrräder machten. Sie er-kundigen sich nach unserer Tour. Der eine meint: "You guys are nuts! - You're really nuts...!". Wieso? Bisher hat uns alles riesig Spaß gemacht. Von der Paßhöhe geht's runter. Meine Hinterradbremse ist noch immer angefroren. Man kann sie mit Kraft anziehen, aber zum Lösen muß man absteigen und die zwei Bremsarme mit Kraft auseinanderziehen. Wegen diesem Handikap und dem eisigen Fahrtwind drossele ich mein Geschwindigkeit. Wegen der Kälte und Peters Verfassung entscheiden wir uns in Silverton ein Motel zu nehmen und morgen einen Ruhetag zum Besichtigen der Goldmine einzulegen. Aus Kostengründen wollen wir uns ein Zimmer mit einem Queen-Size Bett teilen. Die nette Dame gibt uns aber für den gleichen Preis ein Zimmer mit zwei großen Betten: "You look like you could need some rest!". Damit hat sie nicht ganz unrecht. Wieder ein richtiges Dach über dem Kopf, eigenes Bad, richtige Betten. Phantastisch! Wir duschen uns und kaufen in einem GroceryStore ein. Peter zieht für seinen Bauch Salzbrezeln und Vitaminsaft vor. Ich koche mir vor unserem "Bungalow" in der Sonne eine Tüte Nudeln. Trotz der Sonne ist es noch sehr kalt, aber heute Nacht haben wir sogar eine Heizung. Wir fahren die GreenStreet (MainStreet) durch den Ort hinauf. Silverton ist superschön, Gebäude im Stil der Goldrausch-Zeit, eine alte Feuerwache, viele Gasthäuser. Bald wird es uns jedoch zu kalt und wir ziehen es vor in unsere Unterkunft CupNoodles und Brezeln zu essen. Wir schreiben ein paar Karten und gehen in unsere superkomfortablen Betten.
18. Tag (6.10.98): Ruhetag Silverton
Supergut geschlafen. Die Sonne scheint, wir essen Frühstück mit Cereal. Peter wird von Durchfall geplagt. Trotzdem wollen wir die "Old Hundred Mine" besichtigen. Dafür fahren wir 5 Milen in das Bergtal hinein. Um 11:00 Uhr startet eine Führung. Wir beeilen uns und kommen gerade rechtzeitig. In gelben Gummijacken und mit Helm steigen wir in eine kleine Bahn, die uns in den Berg fährt. Eine ältere Frau bekommt Panik und der nette Führer fährt sofort wieder zurück ins Freie um die Frau abzusetzen. Danach geht's wieder hinein und zu Fuß eine Runde durch die Stollen. Der lustige Führer erklärt alles. Sehr interessant. Wieder zurück im Freien zeigen wir dem Führer unser "Goldgestein", das wir bei der Marry Murphy Mine gefunden haben. Sofort zerstört er unser Illusionen. Leider nur "fools gold" (Eisenpyrit), kein echtes Gold. Schade, aber wir können beim Gold Panning (Goldwaschen) unser Glück versuchen. Der Führer zeigt uns die Technik. Und tatsächlich finden wir einige Silberkügelchen (die nicht auf natürlichem Weg in den Trog gekommen sind) und auch einige sehr winzige Krümel richtiges Gold (natürlicher Bestandteil der Sandes im Trog). Wenigstens etwas Gold. Ein Großelternpaar mit ihrer Tochter beobachtet uns beim Goldwaschen und wir kommen ins Gespräch. Als wir gehen müssen, um noch das Museum von Silverton besuchen zu können, besteht die ältere Dame darauf, uns Cashews mitzugeben, damit uns nicht die Kraft ausgeht. Wir tauschen Adressen aus und versprechen ihr, eine Weihnachtskarte zu schicken. Zurück in Silverton besuchen wir das Museum. Der Wärter fragt uns, woher wir kommen und kann überhaupt nicht verstehen, wie man sich das Oktoberfest entgehen lassen kann, um hier in den Bergen radzufahren. Das Museum ist interessant, alte Gefängniszellen, Revolver, Bergbaumaschinen. Wieder in unserem Motel legen wir uns in die Sonne und entspannen uns. Am Abend entscheiden wir uns nach einer Runde durch den Ort für das Brown Bear Cafe und essen Steak und Burger. Noch am Abend packen wir unsere weit ausgebreiteten Sachen wieder zusammen um am nächsten Morgen länger ausschlafen zu können.
19. Tag (7.10.98): Silverton -> Ponderosa
Erst um 9:30 stehen wir auf. Peter geht es schon besser. Wir packen unsere Sachen und räumen unsere komfortable Unterkunft. Im Brown Bear Cafe essen wir einen "regular stock of pancake", drei Pfannkuchen mit Sirup aus einem Brown-Bear-Gefäß. Sehr lecker und ziemlich viel. Die Ankunft der Dampflock in Silverton wollen wir nicht verpassen und radeln zum Bahnhof. Dort müssen wir knapp ein Stunde warten, da wir uns auf dem Fahrplan verschaut haben. Aber es lohnt sich. Richtig romantisch, die alte Dampflock. Einige "Cowboys" warten mit Pferden auf die Fahrgäste zum Ausreiten. Um12:00 Uhr verlassen wir Silverton. Die Sonne scheint, und es ist richtig warm geworden. Wir ziehen unsere GoreTex-Sachen aus. Die letzten zwei Pässe (Molas und Coalbank Pass beide knapp 11000 ft. / 3350 m) warten auf uns. Sie bereiten keine Probleme. Auch Peter ist wieder gut drauf. Wir erreichen um 15:30 Uhr den KOA North Durango Ponderose Campground. Hier bleiben wir diese Nacht, um morgen vormittag in Durango anzukommen. So haben wir morgen noch den ganzen Tag Zeit, uns um Motel, Kästen für die Räder, Greyhoundtickets etc. kümmern zu können. Der KOA Campground ist sehr gepflegt. Wir lassen es uns bei Sprite und Chips gutgehen. Abends einen Topf Nudeln und dann ins Bett.
20. Tag (8.10.98): Ponderosa -> Durango
Es ist warm und die Sonne scheint. Optimal unsere Tour ausklingen zu lassen. Wir frühstücken Weißbrot mit PeanutButter. Gemütlich bauen wir das Zelt ab und begeben uns zurück auf die Straße. Die letzten 12 Milen wollen wir in vollen Zügen genießen. Die Straße ist abschüssig, wir fliegen ohne schwer zu treten dahin. Die Berge werden flacher und man sieht mehr und mehr Häuser in dem weiten Tal. Ein Foto am Ortsschild von Durango, unsere Tour ist zuende. Wir sind 16 Tage auf dem Rad unterwegs gewesen, haben im Großen und Ganzen viel Glück mit dem Wetter gehabt, waren durch wundervolle Landschaften gefahren, haben eine Menge erlebt, uns viel Zeit gelassen und alles in vollen Zügen genossen. Schöner kann Urlaub nicht sein! Jetzt müssen wir uns wieder um einige Sachen kümmern. Wo übernachten wir heute? Was machen wir mit den Bikes? Wo ist die Greyhound-Station? Wo bekommen wir zivile Sachen (Jeans, T-Shirt, etc.) her? Letzteres Problem scheint gelöst, als wir bei der Stadtdurchfahrt ein Lewis-Outlet sehen. Optimal. Wir fahren am OutdoorsMan vorbei. Hier hat unserer Radlfreund Titschi sein Bike her. Wir gehen hinein und bestellen schöne Grüße. Kästen für die Bikes könnten wir hier kriegen meint der Mann. Sehr gut!!! Wir holen sie ab, wenn wir sie brauchen. Er zeigt uns auf einem kleinen Faltplan von Durango die Greyhound Station. Wir fahren zum Visitor Center und fragen nach günstigen Motels. Das Motel, indem Peter mit Michaela mal war ist recht nah an der Greyhound-Station gelegen. Wir suchen trotzdem weiter und finden etwas weiter entfernt ein hübscheres mit Zimmern für $40 und zwei Betten. Zivile Kleidung hat nächste Priorität, also zurück zum Lewis-Outlet. Ich kaufe mir zwei Jeans, einen Gürtel, ein PoloShirt und eine Jacke, Peter eine Jeans ein Hemd und Socken. Zurück im Motel ziehen wir die Radlsachen entgültig aus und steigen in die neue Kleidung. Ungewohntes Gefühl, wieder in Jeans und T-Shirt. Super. Da wir noch Schuhe und etwas zum Abendessen brauchen krempeln wir die Jeans hoch und fahren in eine Mall etwas außerhalb von Durango. Reduzierte Timberland-Schuhe für $39 bekommen wir für $29, wenn wir noch einen Pflegespray für $5 dazukaufen. Das ist ein Geschäft !?! Bei Ceasars Pizza essen wir an einer Pizza bis wir fast platzen. Weder ich noch Peter schafft es. Mittlerweile ist es dunkel geworden und wir halten uns auf dem stark befahrenen Highway scharf rechts auf dem Seitenstreifen. Gott sei Dank hält uns keine Polizei an. Im Motel packen wir unsere Errungenschaften aus und probieren alles. Um 23:00 Uhr fallen uns die Augen zu.