Deutschland [Bericht]   [Daten]   [Karte]   [Touren]   [Home] deutschl.jpg (2124 bytes)

Die "Deutschland-Tour" war keine zwei Wochen nach der Gardaseetour meine zweite größere 'Radwanderung'. Sie verlief fast vollständig auf asphaltierten Straßen. Hier stand mehr im Vordergrund, unser Ziel, Deutschland in sieben Tagen von Süd bis Nord zu durchqueren, zu erreichen. Deshalb fuhren wir ohne schwere Rucksäcke sondern nur mit den nötigsten Sachen. Auch die dicken Mountainbike-Reifen tauschte ich gegen schmale, glatte Slicks. Phil fuhr mit seinem Rennrad und Tobias mit einem in Richtung Triathlon umgebauten Crossrad. Da diese Tour jetzt schon eine ganze Weile zurückliegt und ich damals leider keine vollständige Tourbeschreibung geschrieben habe, sind hier nur einige Fotos mit ein paar Erlebnissen, die mir von dieser Tour in Erinnerung geblieben sind:


1. Tag (08.08.1993):

flens01.jpg (14905 bytes)Wir starteten schon um sechs Uhr morgens, da die erste Etappe unsere längste Etappe von ca. 230 km werden sollten. Deswegen achteten wir von anfang an auf eine möglichst kraftsparende Fahrweise indem wir oft Windschatten fuhren. Die erste größere Pause gönnten wir uns in Ingolstadt. Wir aßen Müsliriegel und ruhten uns an der Donau aus bevor es weiter ins Altmühltal ging. Das Altmühltal war wegen der kurvenreichen und ebenen Straße sehr schön und abwechslungsreich zu fahren (siehe Foto links).

flens02.jpg (14232 bytes) Auf dem letzten Teilstück nutzten wir die Radwege entlang dem Rhein - Main - Donau - Kanal. Auf dem sehr feinen und festen Schotter lief es kaum schwerer als auf Asphalt und wir genossen es am Wasser entlang zu fahren. Lediglich die langsam fahrenden Ausflugsradler störten hin und wieder. Öfter mußten wir unsere Räder an Schleusenanlagen über Treppen hinutertragen (siehe Foto rechts). Schließlich zog sich da letzte Teilstück vom RMD-Kanal bis Erlangen auf Asphalt doch noch ziemlich in die Länge. Ich war fix und fertig als wir bei der Jugendherberge in Erlangen eintrafen und es kamen mir Zweifel ob ich diese Tour mit den beiden Sportskanonen aus unserer Jahrgangsstufe im Gymnasium Vatersetten (Phil und Tobias) auch durchstehen würde. In der Jugendherberge bekamen wir ein eigenes Zimmer und suchten am Abend noch eine kleine Pizzaria auf wo wir in einem kleinen Innenhof mit Lasagne unsere Kohlenhydratvorräte wieder auffüllten.

2. Tag (09.08.1993):

Auch an diesem Tag standen wir vor 7 Uhr auf und saßen früh beim Frühstück. Um ca. 8 Uhr waren wir wieder auf der Straße. Auch heute hatten wir wieder ca. 180 km vor uns und wollten einen Großteil davon möglichst schon am Vormittag hinter uns bringen um Abends nicht in Zeitdruck zu geraten. Einen Strich durch die Rechnung machte uns dabei allerdings Bamberg, wo wir uns dermaßen in dieser Stadt verfuhren, daß wir über eine Stunde Zeit verloren, bis wir auf dem richtigen Weg nach Schweinfurt waren. Die Anstrengungen des letzten Tages machten sich auch schnell bemerkbar. Wir dachten es schon geschafft zu haben, als direkt vor Bischoffsheim uns noch ein steiler, langer Anstieg zu schaffen machte. Als wir die Jugendherberge erreichten war ich kräftemäßig auf dem absoluten Tiefpunkt der gesamte Deutschland-Tour angelangt. Wir waren den ganzen Tag so damit beschäftigt, unser Etappenziel zu erreichen, daß wir kein einziges Foto machten. Nach dem ausgiebigen Essen in einem ländlichen Gasthof sanken wir in unsere Betten und schliefen schnell ein.

3. Tag (10.08.1993):

flens03.jpg (9016 bytes)Am dritten Tag führte unser Weg durch die hügelige Landschaft der Röhn. Meist fuhren wir auf schönen kleinen, fast unbefahrenen Straßen. Leider war das Wetter sehr wechselhaft und wir machten viele Stops, um die Regenjacken an- und auszuziehen. Auf dem letzten Stück an der Fulda entlang nach Melsungen setzte starker Regen ein und wir waren sofort völlig durchnäßt, teils von dem Regen selber, teils von dem Wasser das der Hinterreifen des Vordermannes aufspritzte. Wir konnten uns jedoch zeitlich keine Pause mehr leisten und so kamen wir pitschnaß aber rechtzeitig in der Jugendherberge in Melsungen an, wo wir von einem netten Zivi ein eigenes Zimmer zugewiesen bekamen. Dieser Zivi wollte uns am Abend noch zu sich einladen, um Fußball zu schauen. Da wir jedoch am nächsten morgen wieder früh aufbrechen wollten, lehnten wir dankend ab. In unserem Zimmer breiten wir unsere nassen Sachen zum trocknen aus. Nach einer ausgiebigen Dusche und dem Zusammensuchen aller Anziehsachen, die in den Plasikbeuteln im Rucksack trocken geblieben waren, fuhren wir mit den Bikes in den Ort Melsungen um Abend zu essen. Melsungen war ein ausgesprochen schönes Städtchen, mit Burgmauer und vielen alten Fachwerkhäusern. Dies machte sich aber leider negativ auf die Essenspreise aus und wir suchten ziemlich lange bis wir ein Restaurant gefunden hatten, das unserem Schüler-Budge halbwegs entsprach.

4. Tag (11.08.1993):

flens05.jpg (17345 bytes)Am vierten Tag schien wieder die Sonne und wir saßen früh motiviert auf unseren Rädern. Am Vormittag stand vor allem die Kassel-Durchfahrt auf dem Programm, die sich aber nicht als sehr schwierig erweisen sollte. Weiter ging es wieder auf kleineren Straßen. Bevor wir die Weser erreichten, geriet Phil bei einer Abfahrt in einen Streifen frischen Asphalt, wobei spitze Steinchen sich an seine Reifen klebten und ihn an verschiedenen Stellen anritzten. Wir blieben sofort stehen und Phil säuberte seine Reifen, die zwar noch fahrbereit, aber an verschiedenen Stellen schwer beschädigt waren. Bald erreichten wir die Weser, deren Verlauf wir in sich änderndem Abstand bis zum Tagesziel in Polle den ganzen Tag folgen sollten. Das Mittagessen verbrachten wir, wie jeden Tag, vor einem Supermarkt mit Jogurt, Trinkjogurt, Brot, Keksen, Gatorate, Wasser und Fruchtsaft (siehe Foto rechts). flens04.jpg (16743 bytes)Zweimal mußten wir die Weser überqueren, wozu man jedermal warten mußte, bis sich 2-3 Autos angesammelt hatten und eine kleine Fähre uns mit diesen Autos über die Weser brachte. (siehe Foto links). Als wir Polle am Abend erreichten, sahen wir ein einziges großes Gebäude auf der Spitze eines großen Hügels und wußten sofort, das mußte die Jugendherberge sein. (Wieso stehen die Jugendherbergen nur immer auf höchsten Erhebung weit und breit ?!?) So quälten wir uns noch den letzten Hügel hinauf, der zum Schluß hin so steil wurde, daß man mit dem Moutainbike in die kleinsten Gänge mußte. Als Belohnung hatten wir aber von unserem Zimmer aus einen super Ausblick auf die umliegenden Landschaft und Polle. Auf der Suche nach einem Gasthaus in Polle fanden wir lediglich eine Kneipe mit 2-3 Tischen. Die nette Dame hinter dem Tresen meinte sie hätte noch ein paar Kroketten, Pommes und etwas Fleisch im Gefrierschrank, das sie uns zubereiten könnte. Und sie zauberte daraus tatsächlich ein Essen, das uns allen gut schmeckte. Obwohl wir auch in Polle ein eigenes Zimmer in der Jugendherberge hatten, war die Nacht recht laut.

5. Tag (12.08.1993):

flens06.jpg (16304 bytes)Nach einem ehr enttäuschenden Frühstück in der Jugendherberge machten wir uns wieder auf den Weg. Das Wetter war wieder gut, die Strecke sehr abwechslungsreich und wir kamen gut voran. Die letzten 50 km zu unserem Tagesziel liefen wie im Flug, da wir kräftigen Rückenwind hatten. Am liebsten wären wir gleich an Hannover vorbei gefahren und hätten einen Teil der nächsten Etappe vorausgezogen. Aber wir hatten eine Übernachtung bei Phils nettem Onkel in Hannover geplant, der Chef vom Mövenpick-Restaurant in Hannover und einem weiteren Restaurant war (... und dieser Stop in Hannover sollte sich auszahlen !!!). So steuerten wir geben Nachmittag auf das Stadtzentrum von Hannover zu. Nachdem wir uns durch eine Menge Verkehr geschlagen hatten, standen wir in der Fußgängerzone vor dem Mövernpick-Restaurant. Wir schlossen unsere Räder an und betraten mit verschwitzen Radelsachen das edle Restaurant. Als die Bedienung uns gerade wahrscheinlich wieder rausschmeißen wollte, erklärte Phil ihr, daß er der Neffe des Chefs sei und ihn besuchen wolle. Phils Onkel begrüßte uns herzlich und lud uns sofort zu einem Freundschaftsbecher (besser: -schüssel) Eis ein und wir hatten sogar nach 5 Tagen radfahren unser Mühe diese Massen an Eis und Früchten wegzuspachteln. Phils Onkel gab uns seinen Wohnungsschlüssel und erklärte uns, daß wir für die Nacht seine   Wohnung haben könnten und er auswärts schliefe. So machten wir uns auf den Weg zu dieser Wohnung. Dort duschten wir und genossen es nach vier Jugendherbergstagen wieder in einer richtigen Wohnung zu sein. Am Abend kam Phils Onkel vorbei und lud uns zu seinem anderen Restaurant ein, einem alten, super restaurierten Bauernhof, bei dem der Speiseraum auf viele kleine Zimmer aufgeteilt war. Er bestand auch darauf dieses kleine Stück mit uns mit dem Rad statt in seinem Auto zu fahren. So montierten wir unser Lichter und fuhren gemütlich zu diesem edlen Restraurant. Phils Onkel bestellte für uns alle je einen "Fitness-Teller" (!!!) damit wir  "auch noch die letzten zwei Etappen nach Flensburg schaffen !" (siehe Foto). Total überfressen fuhren wir später am Abend zurück zur Wohnung und legten uns schlafen.

6. Tag (13.08.1993):

flens.jpg (13534 bytes)Phils Onkel wußte, daß wir am nächsten Morgen früh fahren wollten und kam schon vor 7 Uhr vorbei um uns auch von seinen eigenen Kochkünsten zu überzeugen und uns ein Frühstück-Royal mit Rührei, Schinken und allem möglichen zuzubereiten. (Phil, herzlich Glückwunsch zu diesem Onkel!!!). Wir bedankten und verabschiedeten uns von unserem großzügigen Gastgeber. Die ersten Kilometer mußten wir langsam fahren um erst das üppige Frühstück zu verdauen. Auf der Fahrt nach Hamburg kamen wir an Fallingsbostel vorbei, wo wir ein großes Bundeswehrareal durchquerten und uns dabei über einige Kilometer grobes Kopfsteinpflaster quälen mußten. Phil schüttelte es mit seinen harten schmalen Rennradreifen besonders durch und wir alle waren froh bald wieder glatten Asphalt unter den Reifen zu haben. flens07.jpg (15200 bytes)Der weitere Weg in Richtung Hamburg verlief auf guten größeren Straßen die gerade durch die ebene Landschaft verliefen. Optimal um "Kilometer zu machen" aber etwas langweilig (siehe Bild links). Als wir Hamburg erreichten fanden wir uns schnell in einem totalen Verkehrschaos wieder und die Fahrt zur Jugendherrberge war, abgesehen von dem Highlight der Elb-Überquerung (siehe Bild rechts), er ein Kampf als Radfahren. Die Jugendherrberge war ein riesiges Gebäude mit absolut unpersönlichem Charakter. Wir bekamen nur ein 10-er Zimmer, daß wir uns mit 4 anderen Personen teilen mußten. Überall warnten Tafeln vor Diebstahl und jeder hatte ein eigenen verschließbaren Schrank. Wir achteten darauf die Räder sorgfältig abzuschließen und liefen, nachdem wir uns geduscht hatten, zu Fuß los um ein Restaurant zu suchen. Obwohl wir bei einem Italiener zu Abend aßen merkten wir daß wir mittlerweile im Norden von Deutschland waren. Die Gerichte und insbesondere die Getränke waren kleiner und teurer. An frühes Schlafengehen war an diesem Abend mit vier weiteren Zimmerbewohnern nicht zu denken.

7. Tag (14.08.1993):

flens08.jpg (14375 bytes)An diesem morgen revanchierten wir uns für den unruhigen Abend, indem wir wie gewohnt vor 7 Uhr aufstanden und nicht vermeiden konnten unsere 4 Zimmergenossen aus dem Schlaf zu reißen. Das Frühstück verlief in dieser riesigen Jugendherrberge auch komplett automatisiert ab. Man bekam einen Chip für ein Getränk an einem Automaten und eine fertiges Paket mit Brot, Butter und etwas Aufschnitt (für Radfahrer viel zu wenig). Dafür hatte man vom Frühstückssaal durch eine große Glasfront weiten Bilck auf die Hafenanlagen (Die Jugendherrberge war wie immer auf einer Anhöhe). Keiner von uns hatte rechte Lust jetzt aufs Rad zu steigen und sich in das Verkehrschaos zu begeben, doch wir hatten noch eine lange Etappe vor uns und konnten uns keine große Verzögerung leisten. Das Verlassen von Hamburg stellte sich jedoch wesentliche angenehmer heraus als die Anfahrt am Vortag. Bald erreichten wir die äußeren Wohngebiete von Hamburg und der Verkehr wurde erträglich. Als wir bei einem Supermarkt unsere Trinkflaschen auffüllten und etwas Wasser (!!!) auf den Gehsteig verschütteten, wurden wir das erste mal auf plattdeutsch angemacht: "Das wischt ihr hier aber schon wieder weg, da kann man ja ausrutschen!". flens09.jpg (14302 bytes)Eher belustigt von diesem Kommentar fuhren wir weiter, ließen Hamburg hinter uns und steuerten durch die Ebene Landschaft auf Schleswig zu. Hier sahen wir das erste mal das Meer, die Ostsee. Erst jetzt wurde uns richtig bewußt, daß wir die Tour so gut wie geschafft hatten. Von unserem Ziel trennten uns jetzt nur noch ca. 30 km. Wir genossen den Duft des Salzwasser und machten eine Pause, um danach, angetrieben von dem nahen Ziel, unsere Tempo zu erhöhen und mit vollem Tempo auf Flensburg zuzurasen. Als wir das Ortsschild Flensburg sahen bildeten wir eine Reihe über die gesamte Straßenseite und fuhren nebeneinander durch die Stadtgrenze von Flensburg. Nach einem Foto vom Ortsschild fuhren wir gemütlich durch Flensburg und suchten die Jugendherrberge. Inzwischen war es auch schon etwas später geworden und nachdem wir geduscht und uns umgezogen hatten mußten wir den Jugendherbergsvater lange überreden, uns den Schlüssel zu geben, damit wir nach 10 Uhr noch vom Essen zurück kommen können. Leider fanden wir in der Umgegend der Jugendherberge keinen Gasthof und kauften uns bei einem Fast-Food-Griechen am Hafen Gyros zum mitnehmen, mit dem wir in der Jugendherrberge das Erreichen unseres Zieles, "Deutschland in 7 Tagen zu durchqueren" feierten. Auch wenn es Menschen gibt, die das in vielleicht 3 Tagen schaffen, waren wir stolz auf unsere 7 Tage, in denen wir ziemlich regelmäßig an die Grenzen unsere Kraft gegangen sind.



Copyright: Christian Flenker, 1999 To top