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Knapp zwei Wochen nach der Deutschlandtour war eine weitere Tour von ursprünglich Baldham (östlich von München) nach Mailand geplant. Mitgefahren sind bei dieser Tour nicht unbedingt die Biker-Gang, sondern Freunde aus der Kollegstufe, die auch Lust auf eine Mehrtagestour verspürten: Andreas, Sascha, Norman und ich. Durch den Begleitwagenservice von Andreas Mutter, die Übernachtungen in Jugendherbergen und keine allzulangen Tagesetappen wurde die Mailandtour zu einer genußvollen Tour durch schöne Bergwelt.
1. Tag (29.08.1993):
Am
geplanten Starttag regnete es ununterbrochen und wir entschieden uns auf besseres Wetter
zu warten. So kamen wir nach einem weiteren Regentag erst zwei Tage später als geplant
los. Da wir die gesamte Tour wegen verschiedenen Terminen nicht einfach nach hinten
schieben konnten, fuhren wir die ersten zwei Tagesetappe im Auto bei Andreas Mutter und
Vater (2 Autos, da Andreas Vater schon früher wieder zurück mußte) mit. Um noch den
ganzen Tag zum Radfahren zu haben, starteten wir mit den Autos in Baldham schon um 5:00
Uhr fuhren bis Filisur in der Schweiz (Foto links). Dort stellte Andreas Vater sein Auto
ab und stieg mit uns aufs Rad um, wärend Andreas Mutter Begleitfahrzeug spielte.
Ab Filisur
hatten wir noch den Großteil des Anstiegs bis zur Paßhöhe des Albula-Passes vor uns
(Foto rechts). Bald zog sich unsere kleine Gruppe auseinander und jeder fuhr seinen
eigenen Takt. Unterwegs wartete Andreas Mutter einmal auf uns um die Trinkflaschen
nachzufüllen. Anfangs ging die Strecke durch bewaldetes Gebiet, teils an einem Fluß
entlang, später, oberhalb der Baumgrenze, durch felsiges Gebiet. Schon lange vor der
Paßhöhe konnte man die letzten Anstiege sehen. Oben angekommen spürten wir einen
kühlen Wind und zogen unsere durchgeschwitzten Trikots aus und warme lange Radlkleidung
an. Nach ein oder zwei Müsliriegel (die luftdichten Verpackungen hatten sich bei der hier
herrschenden dünnen Luft wie Luftballons aufgeblasen), starteten wir die Abfahrt. Nach
anfänglich nur leichtem Gefälle folgte ein steiles Teilstück und später etliche
Serpentinen bis hinunter nach La Punt. Oft mußten wir weidenden Kühen aufweichen, die
unvermittelt auf die Straße liefen. In La Punt angekommen wurden wir von Andreas Eltern
in einem Straßenkaffee zu einem Eisbecher eingeladen (Foto links). Wir genossen nach der
relativ kühlen Abfahrt die Sonne auf der Kaffeeterasse.
Es
folgte eine Fahrt über viele Anstiege und Abfahrten über St. Moritz, am Silverplana See
vorbei bis zu Ortschaft Maloja (am gleichnamigen Paß). Wir bezogen hier unser Quatier in
der Jugendherberge des Ortes und duschten uns. Die engen Schlafplätze (7 nebeneinander in
zwei Ebenen, mit nur einem schmalen Gang am Fußende) erinnerte ehr an das Schlaflager
einer DAV-Hütte hoch in den Bergen als an eine Jugendherrberge (Foto rechts).
Beim Postkartenschreiben
an einige Freunde daheim, wußte bald niemand mehr ob es Maloja oder Majola heißt (naja,
man kann sich's ja denken, wenn's falsch gewesen sein sollte). Wir genossen noch eine
zeitlang die Abendsonne auf einer Bank vor der Jugendherrberge, bis wir von Andreas Eltern
zu einem noblen Abendessen in ein Gasthaus im Ort eingeladen wurden, bei dem wir den
Geburtstag von Andreas Mutter feierten. Nachdem jeder sein Gericht gegessen hatte bestand
Andreas Vater noch darauf, daß wir noch eine Portion von den berühmten Käßspäzle
probierten. So fielen wir am Abend vollgefüllt und erschöpft in unser Schlaflager in der
Jugendherberge. Außer dem unvermeidlichen Streit darüber, wie weit das Fenster offen
stehen soll (immer ein Problem bei derartigen Schlaflagern: Temperatur <->Gestank),
schliefen wir alle gut in dieser Nacht.
2. Tag (30.08.1993):
Der
nächste Tag fing gleich morgens mit dem Chaos an, daß ca. zehn Leuten versuchten in dem
engen Gang am Fußende der Schlaflages ihre Sachen zu packen. Entschädigt für diese
engen Schlafplätze wurden wir jedoch durch eine gutes Frühstück in der Jugendherberge
(Foto links). Die Sonne schien wieder und bald waren wir bereit wieder aufs Rad zu
steigen. Die heutige Etappe begann sofort mit einer steilen Abfahrt durch Serpentinen vom
Maloja-Paß hinunter. Dieser Straße weiter folgend passieren wir bald die Grenze von der
Schweiz nach Italien. Wieder wechseln sich mehr oder weniger kurze Anstiege mit Abfahrten
ab. Der Verkehr auf dieser recht großen Verbindungsstraße hält sich wider erwarten in
Grenzen und wir kommen gut voran. Bei einer steilen Abfahrt vor versucht Norman den
nachfolgenden Autos Platz zu machen und gerät dabei in die Wasserabflußrinne an der
rechten Straßenseite.
Er berührt mit dem Lenker die steile Felswand und stürzt bei ca 40 km/h.
Dank großen Sicherheitabstand kann ich hinter Norman fahrend noch abbremsen und
ausweichen. Auch ein Autofahrer hält sofort an und wir kümmern uns um Norman, der einige
große Abschürfungen davongetragen hatte, aber, nachdem er den ersten Schock verdaut
hatte, wieder aufstehen konnte und der Ausweichbucht an der anderen Straßenseite gehen
konnte. Dort setzte er sich hin und Andreas fuhr seiner Mutter Bescheid sagen, wärend
sich Norman vom Schock erholte und wir seine Schürfwunden mit dem Verbandszeug des
Autofahrers provosorisch verbanden. Bei Normans Fahrrad war eine Pedale und der klinke
Bremshebel total verbogen. Als Andreas Mutter kam, steig Norman ins Auto und wir
schraubten sein Rad auf dem Dach fest. Angekommen in Chiavenna kaufte Andreas Mutter
Desinfaktionsmittel und versorgte Normans Wunden.
Norman entschied sich, nachdem
er versucht hatte wieder auf ein Rad zu steigen, doch mit Andreas Vater nach Hause zu
fahren. So fuhr Andreas Eltern mit Norman zurück nach Filisur, von wo aus Norman mit
Andreas Vater im anderen Auto nach Hause fuhren und Andreas Mutter wieder umkehrte um uns
in Como zu treffen. Mit getrübter Stimmung durch diesen Vorfall fuhren Andreas,
Sascha und ich weiter zum Nordufer des Comer Sees. Dort suchten wir lange um die kleine
Uferstraße am Ostufer der Sees zu finden. Das Suchen sollte sich aber gelohnt haben, denn
wir fuhren bis Varenna auf einer wunderschönen Küstenstraße, die immer mit Blick auf
den See durch viele kleine alte italienische Dörfchen hindurch am steilen Ufer hoch und
runter führte. Von Vienna aus fuhren wir mit der Fähre an das westliche Ufer des
südlichen "See-Arms", nach Bellagio (Foto rechts). Auch von Bellagio nach Como
führen wir auf einer wunderschönen Küstenstraße (Foto links) und trafen Abends in Como
ein. In der Jugendherberge bezogen wir ein schönes Sechsbettzimmer mit Bad und konnten
die Räder sogar ins Zimmer stellen. Wir trafen Andreas Mutter, die direkt aus Filisur kam
und aßen in einer Pizzaria zu Abend.
3. Tag (31.08.1993):
Nach
einem nicht sehr überzeugenden Frühstück in der sonst sehr guten Jugendherberge (Foto
links), brechen wir zur letzten Etappe nach Mailand auf. An diesem Tag können wir fast
1000 Höhenmeter abbauen und haben keinen einzigen Paß vor uns. Dementsprechend gut lief
es dann auch. Auf halben Weg verloren wir jedoch wegen einem Mißverständnis unseren
"Service-Wagen" mit Andreas Mutter.
Bei einem Supermarkt kaufen wir
uns Brot, Wurst und Wasser. Bald wurde der Verkehr dichter als wir in die nähe der
Großstadt Mailand kamen. Schließlich kämpften wir uns durch den Verkehr einer
Großstadt, ständig auf Karten schauend bis zum Reitstadion, wo wir uns mit Andreas
Mutter verabredet hatten und trafen trafen sie dort auch. Die Fahrräder stellten wir aufs
Autodach und schlossen die mit etlichen Schlössern fest. Nach dieser ungewollt kurzen,
aber sehr schönen Genußtour zogen wir uns zivile Kleidung an und fuhren mit der U-Bahn
ins Stadtzentrum, aßen ein Eis und schauten uns das Zentrum an (Foto rechts). Noch am
selben Abend brachen wir mit dem Auto in Richtung Heimat auf und kamen früh am nächsten
Morgen zu Hause an. Vielen Dank an Andreas Mutter für den ständigen Support und die
Transfers nach Filisur und wieder nach Hause !!!
| Copyright: Christian Flenker, 1999 |