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In den Pfingstferien 1994 plante ich mit vier Radlfreunden, Peter Steinlehner, Christian Tichatschke, Phillip Oertel und Bernhardt Fackler aus meiner Jahrgangsstufe eine Mountainbiketour. Wegen der noch recht frühen Jahreszeit mußten wir darauf achten, keine zu hohen Routen zu wählen um keine Schwierigkeiten mit dem Schnee zu bekommen. Ziemlich schnell fiel daher unsere Entscheidung auf das Gebiet der Tegernseer und Chiemgauer Alpen. Da in diesem Gebiet das wilde Campen problematisch sein kann und die Mehrheit auch für nur leicht Rucksäcke war, entschieden wir uns für Übernachtungen in Hütten und Pensionen.
1. Tag (30.5.1994):
Erst um kurz vor 12 Uhr sitzen wir alle auf unseren Rädern und starten in Zorneding (Osten von München). Die erste Etappe führt auf der schon oft gefahrenen Route von Zorneding, über Aying, Kreuzstraße, an der Mangfall entlang bis zum Tegernsee. In Tegernsee machen wir auf unserer gewohnten Bank am Strandbad unsere erste Rast, werfen ein paar Müsliriegel ein und starten bald darauf die Auffahrt zur Monialm. Ab Valepp hört der Asphalt auf und wir befahren den auf- und abführenden, teilweise in Felswände gespregten Schotterweg. Die letzte Abfahrt hinunter zur Erzherzog-Johann-Klause (EHJ) machte nur halb soviel Spaß, da wir wissen, daß wir dieses Stück am nächsten Tag wieder hinauffahren müssen. Gegen 18 Uhr haben wir die Erzherzog-Johann-Klause, unser erstes Nachtquartier, erreicht. Die Bikes verstauen wir in der Laube vor der Hütte. Die Unterkunft ist für Hüttenverhältnisse sehr komfortabel. Peter und ich teilen uns ein 2-Bett Zimmer, Christian, Phillip und Bernhard haben ein 3-Bett Zimmer.
2. Tag (31.5.1994):
Bei einem guten Frühstück mit Semmeln, Brot und Milch besprechen wir die Route für den nächsten Tag. Nach der Abfahrt erwartet uns ein langer Anstieg, teilweise das am Vortag hinabgefahrene Stück und dann weiter hinauf bis zur Ackernalm. Die Abfahrt von der Ackernalm verläuft mit engen Kurven, stark abfallend bis zur B174 im Ursprungtal. Christian fährt sich auf der Abfahrt (vielleicht durch zu heiß gewordene Felgen?) einen Platten, kann sein Rad aber noch kontrolliert zum Stillstand bringen. Im Ursprungtal führt unsere Route ca 1 km auf der Bundesstraße in Richtung Süden, bevor wir wieder links auf einen Schotterweg ins Nesseltal abbiegen. Zunächst steigt diese Schotterweg zwar steil an, ist aber gut befahrbar. Der Weg führt durch schöne Laubwälder die von der Sonne in sattes Grün getaucht werden. An einem kleinen Gebirgsbach füllen wir unsere Flaschen auf. Das letzte Wegstück zur Wirtsalm wird immer schlechter zu fahren und schließlich müssen wir unsere Räder in bewärter Art und Weise mit dem Oberrohr über die Rucksäcke legen und sie so auf dem schmalen Pfad hinauf bis zur Wirtsalm tragen. An der unbewirtschafteten Wirtsalm stoßen wir wieder auf einen breiten Schotterweg, der durch farbenfroh blühende Almwiesen hinab bis nach Kiefersfelden führt, wo wir gegen 15 Uhr ankommen. Da es uns noch al zu früh erscheint, eine Unterkunft zu suchen entshcließen wir uns, noch ins Kaisertal hineinzufahren. Dazu müssen wir das Inntal ein kleines Stück weit in Richtung Süden fahren, bevor wir bei Kufstein auf einen Wanderweg in Kaisertal treffen. Wegen der nähe zu Kufstein sind die Wanderwege hier sehr stark fequentiert und man muß eine Menge Rücksicht auf die Wanderer nehmen. Das erste Wegstück verläuft über viele kleine Treppenstufen und wir sind wieder gezwungen unsere Räder zu tragen. Später können wir auf einem breiten Schotterweg wieder gut fahren und je weiter wir uns ins Kaisertal hineinbewegen, desto weniger Wanderen begegnen wir. Der Weg führt uns durch eine Felstunnel bis wir das Hans-Berger-Haus erreichen. Die Sonne steht schon sehr tief und wir fragen nach der Aufsteigszeit bis zur Stripsenjochhütte. Als wir 45 Minuten als Auskunft bekommen entscheiden wir uns zum Weiterfahren. Aus dem Weiterfahren wird jedoch bald ein Weitertragen, denn der breite Schotterweg ist zu einem schmalen Pfad geworden, der teilweise mit größeren Stufen sich in Serpentinen den steilen Hang hinaufwindet. Die Kräft lassen nach und wir sind immer öfter zu kleine Pausen gezwungen. Doch die Zeit drängt, denn die Sonne ist schon hinter den Berggipfeln verschwunden und die Berglandschaft ist nur noch in ein dämmriges aber warmes Licht getaucht. Gegen etwa 21.15 Uhr sind wir froh das Stripsenjoch erreicht zu haben. Jetzt sind uns auch die für eine Hütte hohen Übernachtungskosten mangels Alpenvereinsmitgliedschaft egal. Der Hüttenwirt ist noch bereit uns eine Nudelmahlzeit zu kochen und wir bestellen gleich acht Portionen. Wärend wir unsere Nudeln essen versucht sich ein älterer Herr mit langem weißen Bart auf einer Gitarre und sing dazu alte Bergsteigerlieder. Die Nacht wird in dem voll belegten Matrazenlager recht unruhig.
![]() Kuh-Crossing |
![]() zur Ackernalm |
![]() Ackernalm |
![]() Auffahrt Wirtsalm |
![]() Tragestrecke Wirtsalm |
![]() bei Wirtsalm |
![]() Platten |
![]() Tunnel |
![]() Tragestrecke zum Stripsenjochhaus |
Sonnenuntergang
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![]() Nudelmahlzeit im Stripsenjochhaus |
3. Tag (1.6.1994):
Das Frühstück im Stripsenjochhaus fällt bei weitem nicht so üppig aus wie am letzten Morgen in der Erzherzog-Johann-Klause. Wir müssen mehrmals nach weiterem Brot fragen und auch der Aufschnitt ist sehr begrenzt. Vor der Hütte erwartet uns wieder strahlende Morgensonne und wir packen wiede unsere Rucksäcke. Zur unserer Enttäuschung ist die Abfahrt auf der östlichen Seite der Stripsenjochhauses auch nicht fahrbar, sodaß wir gleich Morgen gezwungen sind unsere Räder zu tragen oder zu schieben. Liegengebliebener Schnee am steilen Hang macht einige Passagen mit zu einer rutschigen Angelegenheit. Der Wanderpfad wandelt sich aber bald wieder in einen breiten Schotterweg, den wir im rasanten Tempo bergab bis Griesenau folgen. Hier stoßen wir auf die B176 der wir aber nur ein kleines Stück in Richtung Norden folgen, um uns dann (2. Schotterweg-Abzweig nach einer Brücke) wieder auf einem steilen und groben Schotterweg zur Hasenauer-Alm hochzuquälen. Oben angekommen muß Peter feststellen, daß sein Hinterreifen Luft verliert. Während wir den Reifen flicken werden wir neugierig von einigen weidenden Schafen beobachtet. Die Abfahrt nach Reith im Winkel verläuft zunächste auf einem guten Schotterweg, später auf einem schmalen, anspruchsvollen Trialpfad. Bei einem Sturz verletzt sich Phil am Unterschenkel und schleppt sich nur noch mühsam weiter bis Reith im Winkel (15:15 Uhr). Dort verbindet er seinen Unterschenkel und entschließt sich die Auffahrt zur Winkelmoosalm mit dem Bus zu machen. Nach einer ausgiebigen Mittagspause steigen wir jedoch wieder auf unsere Räder und kurbeln uns wenig später die Serpentinen hoch zur Winkelmoosalm. Dort treffen wir auch Phil wieder, dem die Pause wohl recht gut getan hat und der wieder bereit ist mit uns mitzufahren. Der weitere Weg bis Unken führt zunächst auf gutausgebauten Schotterwegen, teilweise mit rasanten Abfahrten uns später auf einer asphalierten, schmalen Straße durch enge Felswände hindurch. Für die nächste Übernachtung suchen wir uns in Reith, nur wenig hinter Unken eine private Pension. Ein netter Almödi (wir haben ihm nicht beibringen können, daß unsere Räder Mountainbikes und keine Mountainspikes sind) zeigt uns unsere zwei schönen Zimmer und wir genießen den Komfort von richtigen Betten und einer heißen Dusche. Abends gehen wir einem nahegelegenen Gasthof essen, der auf seiner Karte auch einen Bikersalat anbietet, den wir natürlich gleich testen müssen.
Rückblick zum Stripsenjochhaus
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Hitzeschlacht zur Hasenaueralm
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weidende Schafe
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weidende Schafe
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Rückblick zum Stripsenjochhaus
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Abfahrt nach Weit im Winkel
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Klamm
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4. Tag (2.6.1994):
Nach ausgiebigem und gutem Frühstück steigen wir wieder auf die Räder und folgen nach einem Abzweig wieder einem stark ansteigende Schotterweg der uns an der Rastnockholzstube vorbei, nach Unterjettenberg bringt. Später rollen wir auf einer asphalierten Straße an einer Bundeswehrerprobungstelle vorbei, bevo wir auf die B305 stoßen, der wir Richtung Süden bis Ramsau folgen. Wir werden von einer gesalzenen Steigung überrascht, dei wir auf unseren bunten, jedoch wenig informativen Kompass-Karten völlig übersehen hatten. Bei Hintersee beginnt eine asphaltierte aber für Autos gesperrte gesperrte Straße bis nach Hirschbichel. Wir treffen hier viele Wanderer und auch Radler, die den guten Straßenbelag in Kombination mit Sperrung für Autos zu wissen schätzen. Bei Hirschbichl übertreten wir zum wiederholten Male die Grenze zwischen Deutschland und Österreich. Kein Grenzbeamter fragt uns nach unseren Ausweisen. Mittlerweile ist es in der Sonne schon wieder sehr heiß geworden und wir machen im Schatten einer kleinen Hütte an der Grenze eine kurze Pause. Bei der Abfahrt entscheiden wir uns für den Schotterweg über das Wildenthal bis St. Martin bei Lofer. Nachdem wir die B311 erreicht haben folgen wir dieser ein kleines Stück Richtung Süden um dann gleich wieder rechts auf einen Schotterweg zum Römersattel abzubiegen. Zunaächst bewegt man sich auf einem mäßig ansteigenden breiten Schotterweg, der jedoch immer schlechter wird. Bald müssen wir unsere Räder schieben und sind wenig später wieder gezwungen die Räder auf die Schultern oder über den Rucksack zu nehmen. Teilweise führt der Pfad durch am steilen Hang durch ausgewaschene kleine Flußbetten und man ist bei der Durchquerung gelegentlich gezwungen auch eine Hand mit einzusetzen. Hinter dem Römersattel führt der schmale Pfad durch ein Militärisches Sperrgebiet. Wiederholt weisen und Schilder darauf hin, daß es verboten ist den Weg zu verlassen. Der Pfad mündet wenig später wieder als Forstweg in Hochfilzen. Da wir keine geeignete Herberge finden, entscheiden wir uns weiterzufahren. Von Hochfilzen bis St. Jakob folgen wir einer kleinen, kaum befahrenen Asphaltstraße. Die Sonne steht mittlerweile tief und die Temperaturen sind sehr angenehm. In dieser wunderschönen abendlichen Atmosphäre radeln wir durch St. Jakob und durch St. Ulrich bevor wir in St. Adolari ein schöne Pension finden, in der wir über Nacht bleiben.
5. Tag (3.6.1994):
Nach dem Frühstück genießen wir eine kurze Abfahrt bis Waidring bevor wir uns die Mautstraße zur Steinplatte hochkurbeln. Erfreulicherweise ist auch diese nicht zu stark befahren. Auf der Steinplatte angekommen folgen wir einem gut ausgebauten Schottterweg, der uns wieder hinunter bis Seegatterl bringt wo sich die Route dieser Tour kreuzt. Direkt an dem großen Parkplatz, auf dem im Winter die Skifahrer ihre Autos abstellen, der zu dieser Jahreszeit jedoch ganz leer ist verläuft ein schöner klarer Gebirgsbach. Wir suchen uns einer schöne Stelle an diesem Bach, packen unseren Proviant aus und machen eine ausgiebige Rast. Die weitere Route führt uns auf der B305 bis kurz hinter dem Weitsee, wo wir wieder links auf eine breiten Schotterweg abzweigen. Durch eine sehr ruhige, abgelegene Gegend fahren wir aufwärts bis zur Eschelmoosdiensthütte und danach auf und ab über die Brünnlingalm bis Bayern, womit wir die gebirgige Gegend wieder verlassen. Uns bleibt nicht mehr viel Zeit bis zum Abend uns wir wollen noch die Jugendherrberge in Prien erreichen. Abwechselnd geben wir uns gegenseitig Windschatten und bolzen unserem Ziel auf den breiten gut zu fahrenen Asphaltstraßen entgegen. Gegen 19 Uhr haben wir die Jugendherrberge in Prien erreicht. Wir teilen uns ein 6-Bett-Zimmer mit einem Amerikaner, der eine Europareise macht. Die Nacht wird durch eine Jugendgruppe, die sammtliche angrenzenden Zimmer belegt recht unruhig.
6. Tag (4.6.1994):
Am letzten Tag dachten wir zu wissen, was auf uns zukommt, da wir die Strecke vom Chiemsee-Zorneding schon öfters auf Tagestouren gefahren sind. Womit wir allerdings nicht gerechnet hatten war ein strengen Gegenwind. Wir wechselten uns an der Spitze ab und fuhren sonst konsequent Windschatten und so erreichten wir doch schon gegen 12:30 Uhr Zorneding.
Wir waren in den vergangenen vier Tagen viel Mountainbike gefahren, hatten woimmer es möglich war asphaltiert Straßen gemieden. Da wir uns für einen leichten Rucksack und Hütten/Pensionen entschieden hatten, mußten wir auf die Atmosphäre, abends beim Kocher vor dem Zelt zu sitzen, verzichten, wurden jedoch durch die Hüttenatmosphäre und den Komfort der Pensionen entschädigt.
| Copyright: Christian Flenker, 1999 |