Transalp [Bericht]   [Daten]   [Karte]   [Touren]   [Home] Transalp

Die "Gardasee-Tour" war meine erste größere 'Radwanderung', die ich mit Peter Steinlehner unternommen habe. Damals gingen wir in die 11. Klasse vom Gymnasium Vaterstetten und starteten zu dieser Transalp-Tour, auf die wir uns schon lange gefreut hatten. Folgende euphorische Tourenbeschreibung ist in den Tagen nach dieser Tour entstanden:

1. Tag (21.7.1993):

Schon am letzten Schultag ging es los. Wir nahmen unsere fertig gepackten Rucksäcke (etwa 11-12 kg je Rucksack) und fuhren um ca. 1 Uhr ab. Das Wetter wurde schon auf den ersten Kilometern leider schlechter, und wir mußten uns kurz vor dem Mangfall-Schotterweg wegen eines Regenschauers bei einem Bauernhof unterstellen. Wir erreichten gegen ca. 4 Uhr den Tegernsee und machten unsere erste Pause. Nun folgte die erste Auffahrt zur Monialm und wir merkten sofort das Gewicht unserer Rucksäcke. In dieser Gegend war eigentlich das Ziel der ersten Halbtagesetappe geplant. Wir hatten allerdings noch Zeit und hätten das Zelt sowieso noch nicht aufbauen können, und so fuhren wir weiter, an Valepp vorbei, den Biker-Highway, an der Erzherzog-Johann-Klause vorbei, durch die Kaiserklamm, am Kaiserhaus vorbei, bis der Schotterweg zu einer kleinen asphaltierten Fahrstraße wurde, die an dem Fluß Brandenberger Ache entlang führte. Zwischen Straße und Fluß lag ein schmaler, lichter Waldstreifen, in dem wir uns eine geeignete Stelle zum Aufbauen des Zeltes suchten. Inzwischen hatte auch der Regen wieder eingesetzt, und wir mußten uns beeilen, damit nicht alles naß wurde. Wir packten die Schlafsäcke aus, um es etwas bequemer im Zelt zu haben und kochten auf dem kleinen Campingkocher mit Flußwasser 2 Speckknödel und Nudeln. Die Nacht wurde aufgrund des harten Waldbodens und der Tatsache, daß wir aus Gewichtsgründen keine Luftmatratzen oder Isomatten mitgenommen hatten, etwas unbequem.

2. Tag (22.7.1993):

Wir wachten recht früh auf und merkten. daß der Regen durch einige Stellen, an denen das Außenzelt auf dem Innenzelt auflag, durchgekommen war. Wir machten uns mit dem Kocher Nudeln zum Frühstück und aßen noch die Semmeln, die wir vom Vortag übrig hatten. Dann packten wir unser Zelt zusammen und fuhren weiter nach Pinegg. Dort waren wir darauf bedacht, nicht wieder die Strecke über den fast 1000 Meter hohen Steinberg zu wählen, sondern der größeren Straße direkt ins Inntal zu folgen, die allerdings auch kräftige Steigungen hatte. Wir erreichten bald Kramsach und machten dort die erste Pause Der weitere Wsg führte über den Inn durch Brixlegg, am Inn entlang, durch die Ortschaften Percha und St Gertraudi, bis ins Zillertal. Dort wollten wir ursprünglich den in der Karte als Radweg eingezeichneten Weg nehmen, und folgten diesem auch über Bruck bis lmming. Dann wurde dieser Weg jedoch immer kurvenreicher und gebirgiger, bis es nachher nur noch ein Forstweg war. Deshalb bogen wir rechts ab nach Schlitters. Von hier aus versuchten wir parallel zu der Hauptstraße auf kleineren Straßen zu fahren, mußten aber gelegentlich auf die Hauptstraße ausweichen. Unser Weg führte so im Zillertal durch die Ortschaften Fügen, Uderns, Kaltenbach, Zell am Ziller bis nach Mayrhofen, wo wir ziemlich durchnäßt während ei nes Regenschauers ankamen. Wir stellten uns vor einer Bäckerei unter und kauf ten uns 2 Dosen Limo und jeder ein Stück Kuchen. Als der Regen etwas nachgelassen hatte, starteten wir zur letzten und anstrengendsten Etappe des Tages, der Mautstraße nach Bärenbad. Auf einer Übersichtstafel konnten wir uns den Weg nach Bärenbad anschauen. Es lagen noch etwa 800 Höhenmeter vor uns und so ließen wir den Anstieg langsam angehen. Die Mautstraße war sehr gut zu fahren, mit wenig Verkehr und schönem Ausblick auf umliegende Berge und Wasserfälle. Bei einem Regenschauer setzten wir uns auf das geschützt aufgestapelte Brennholz eines Bauernhauses und machten Pause. Als der Regen aufgehört hatte, fuhren wird das letzte Stück bis nach Bärenbad, wo wir lediglich eine kleine bewirteten Unterkunftshütte vorfanden. Wir überlegten, ob wir in der Hütte übernachten sollten, um auch unsere Sachen trocknen zu können, entschieden uns dann aber doch das Zelt ein Stück weiter in Richtung Hundskehle auf einer Kuhweide neben einem größeren Gebirgsbach aufzuschlagen. Zum Kochen holten wir uns Wasser aus dem kristallklaren Gebirgsbach. Der Versuch, Reis zu kochen, schlug allerdings fehl, da wir dazu den großen Topf benötigten und keine Chance hatten das Wasser in dem großen Topf bei den niedrigen Außentemperaturen, dem Wind, der wehte, und dem schwachen Campingkocher zum Kochen zu bringen. So beschränkten wir uns auf Nudeln und eine Maggi-Fertigsuppe. Die Nacht wurde auf der Höhe (1 450 m) in unseren dünnen Billigschlafsäcken schon empfindlich kalt und wir zogen alte zur Verfügung stehenden Trikots, Jacken und Hosen zusätzlich über.

3. Tag (23.7.1993):

Nach einer Extraportion Nudel zum Frühstück (Der heutige Tag sollte einer der anstrengendsten werden!) bauten wir das Zelt ab, füllten die Radflaschen und bestiegen wieder die Räder. Das Wetter wechselte zwischen Bewölkung und leichten Regenschauern.. Während trockenen Perioden hängten wir unsere nassen Sachen, vor allem die Socken, zum Trocknen außen an den Rucksack Das erste Teilstück zur Hundskehle hinauf war zwar sehr steil, aber wegen dem einigermaßen befestigten Schotterweg durchaus noch zu fahren. Bald wurde aus dem gut befestigten Schotterweg ein immer schmaler werdender Pfad, mit immer grö8eren Steinbrocken.  Schließlich endete auch dieser Pfad und damit auch das Fahrvergnügen. Ab hier mußten wir das Rad über einen Steig, der nur mit vereinzelten roten Punkten oder Anhäufungen von Steinen gekennzeichnet war, die restlichen ca. 700 Hm bis hoch auf den Alpenhauptkamm tragen. Die Methode, das Rad mit dem Oberrohr über den Rucksack zu legen, erwies sich, vor allem beim Begehen von schwierigen Passagen über große Felsblöcke, als sehr vorteilhaft. Kurz vor dem Gipfel konnten wir unsere, schon lange leeren Trinkflaschen wieder an einem kleinen Rinnsal auffüllen. Als wir am Gipfel ankamen, fanden wir lediglich ein Schild vor, das auf den österreichisch italienischen Grenzübergang hinwies, und ein Gipfelkreuz, an dem die Eiszapfen nach Österreich zeigten. Kaum waren wir in Italien, schon lockerte sich die Bewölkung auf und sogar die Sonne began zu scheinen. Dieses Wetter sollten wir während der ganzen Zeit, die wir in Italien waren, behalten. Es bot sich auch eine herrliche Aussicht über das italienische Ahrntal und zur anderen Seite auf die Hundskehle, eine rießige Rinne, durch die wir bis auf den Alpenhauptkamm gefahren und gestiegen waren. Der Abstieg von der Hundskehle erwies sich ebenfalls als schwierig, da wir die Räder erst lange über unfahrbare Pfade schieben mu8ten, bis wir auf einen Schotterweg kamen und wieder fahren konnten. Aber auch dieser Schotterweg endete bald und es war wieder eine lange Schiebepassage angesagt, bis wir auf einer Asphaltstraße mündeten, und es genossen, nach der ganzen Kletterei wieder eine glatte Straße unter den Rädern zu haben und es in rasender Fahrt (abgesehen von kleinen Pausen, um die Felgen abkühlen zu lassen) ins Ahrntal nach St. Peter laufen ließen. Von hier aus kamen wir auf der immer leicht abschüssigen Straße durch das Ahrntal ganz gut voran. Wir fuhren durch die Ortschaften St. Jakob, Steinhaus, St. Johann, Luttach, bis nach Brunneck, wo wir lange nach der Fußgängerzone suchten, sie dann aber fanden und jeder ein Stück Pizza und ein Eis aß. Von einem Passanten bekamen wir noch einen Tip für die weitere Route zum Würzjoch. Am selben Tag fuhren wir noch weiter bis hinter St. Lorenzen, wo wir abseits der Straße, hinter einem kleinen Wäldchen eine kleinen, abgelegene Wiese mit hohem, weichem Gras (Schlafkomfort!) fanden (Mit Abstand der beste Platz der Tour!). Wir bauten das Zelt auf, kochten uns Nudeln zum Abendessen und schliefen ziemlich bald ein.

4. Tag (24.7.1993):

An diesem Morgen schliefen wir, wegen dem weichen Gras und dem ruhigen Platz, ziemlich lange, kochten uns dann das obligatorische Nudelfrühstück, brachen das Zelt ab und starteten in Richtung Würzjoch. Nach dem Tip, den uns der Passant in Bruneck gegeben hatten, fuhren wir von der großen Hauptstra8e rechts ab, um einen schöneren, kleineren Weg nach Welschellen zu wählen. Nach langer und anstrengender Auffahrt, merkten wir hinter Onach jedoch, daß dieser Weg nicht fahrbar war und wir mußten die kostbaren Höhenmeter auf einem anderen Weg nach Zwischenwasser wieder hinunterfahren. Vor uns lagen jetzt 1000 Höhenmeter kräftezehrende Auffahrt zum Würzjoch. Als wir auf halbem Weg in Untermoi angekommen waren freuten wir uns schon darauf, wieder in einem Supermarkt einkaufen und unsere Vorräte auffüllen zu können. Wir wurden allerdings enttäuscht, da der Supermarkt gerade erst geschlossen hatte und wir zweieinhalb Stunden hätten warten müssen. An der Theke einer Pension konnten wir jedoch ein paar Schokoladenwaffeln erwerben. So stärkten wir uns und nahmen die restliehen 500 Höhenmeter in Angriff. Je weiter wir dem Gipfel entgegenkamen desto grö8er wurde die Erschöpfung. Doch auch diesen Paß bewältigten wir nach einiger Zeit, und konnten auf einer Tafel lesen, daß der Giro d'Italia dieses Jahr auch über diesen Paß ging. Von der Paßhöhe hatte man außerdem eine hervorragende Aussicht auf die umliegenden Berge. Da wir naßgeschwitzt waren, zogen wir uns für die Abfahrt die winddichten Regenjacken über. Bei der Abfahrt sahen wir vom Giro d'Italia viele berühmte Radsportnamen, wie "Bugno" und "Chiappucci" auf der Straße und genossen auch den Ausblick auf das traumhafte Bergpanorama und die ideal zu fahrene kleine, schmale, kaum befahrene, abschüssige Straße. Wir waren von der Abfahrt so berauscht, daß wir die Abzweigung Richtung Bad Froi verpaßten und uns plötzlich bei Klausen wiederfanden. Als wir in Klausen vergeblich nach einer Pizzeria suchten, fuhren wir zu einem Campingplatz um wenigstens eine neue Patrone für unseren Campingkocher zu kaufen. Aber auch dort hatten wir kein Glück. Nur ein paar Semmeln mit etwas Salami konnten wir zu einem ziemlich überzogenen Preis erwerben. Danach folgten wir der Brennerbundesstraße bis Waidbruck, wo wir uns entschieden noch die 400 Höhenmeter Auffahrt nach Kastelruth anzugehen. Auf dem letzten Stück Auffahrt merkten wir, daß wirklich alle Kraftreserven verbraucht waren. Wir zitterten an Armen und Beinen, kamen aber dennoch, wenn auch erst spät in Kastelruth an. In einer Pizzeria aßen wir je eine Pizza Calzone und tranken ein Glas Traubensaft. Beides schmeckte nach dem Tag einfach so herrlich, daß wir uns eine weitere Pizza bestellten, auf die wir allerdings ziemlich lange warten mußten. Danach aßen wir in Zentrum von Kastelruth noch ein Eis. Als wir Kastelruth dann wieder verließen war es schon dunkel und wir konnten keinen optimalen Platz für das Zelt in dieser Touristikgegend mehr finden. Wir mußten uns auf eine freie Fläche an den Zaun eines Parkplatzes einer Pension stellen. Wir bauten nur das Innenzelt auf, da es nicht nach Regen aussah und wir am nächsten Morgen wieder schnell weg wollten, um nicht verscheucht zu werden. Schell schliefen wir ein.

5. Tag (25.7.1993):

Heute mußten wir das Zelt sehr früh abbauen, da wir bei einer Pension, mitten auf der Wiese standen und für jedermann zu sehen waren. Wir ließen deshalb das Nudelfrühstück ausfallen, bauten das Zelt ab und waren um kurz nach 6 Uhr fertig für die Abfahrt. Wir fuhren in die Ortschaft Seis. Dort fanden wir mitten auf dem Marktplatz eine Bank, bauten den Kocher auf und kochten uns einen heißen Tee. Während uns die vorübergehenden, frühaufgestandenen Kurgäste verwundert anstarrten, aßen wir die übrigen Semmeln vom Vortag und tranken dazu gemeinsam den heißen Tee aus dem Alutopf. Da die Geschäfte noch lange nicht geöffnet waren, packten wir den Kocher wieder zusammen und machten uns auf den Weg nach Bozen. Mit einer rasanten Abfahrt von etwa 600 Höhenmetern erreichten wir schnell wieder die Brennerlandstraße und folgten dieser, von einer großen Gruppe Rennradfahrer begleitet, bis nach Bozen. In Bozen warfen wir ein flüchtigen Blick in den Dom und kauften an einem kleinen Straßenstand zwei Päckchen Liptonice Icetea Pulver. In Bozen fand an diesem Tag auch der Start zur Dolomitenrundfahrt, einem Etappenradrennen, statt. Es hatten sich viele Rennradler aus verschieden Ländern mit ihren Begleitfahrzeugen versammelt. Aus einem Prospekt, das uns ein Fahrer von einem deutschen Begleitfahrzeug zeigte, konnten wir entnehmen, daß die heutige Etappe, wie unsere Route auch, über den Mendelpaß führte, allerdings von der anderen Seite aus. Wir verließen um kurz vor 9 Uhr Bozen und machten uns auf den Weg zum Mendelpaß. Nach einigen Schwierigkeiten in der Stadt Bozen fanden wir den richtigen Weg und überquerten bei Sigmundskron den Fluß Etsch. Ab Frangart folgten wir nun einer wunderschönen, kaum befahrenen Weinstraße, durch enge italienische Dörfchen hindurch bis nach Gand. Hier sahen wir schon die ersten Schilder, die den Mendelpaß ankündigten. Ziemlich rasch stieg die Straße immer steiler an und bald waren wir schon wieder in unserem Bergfahrrhythmus drin. An jeder Kehre konnten wir unsere Höhe an Informationstafeln überprüfen und mit der Höhe auf dem Avocet Altimeter 50 Tacho vergleichen. An den Straßenseiten standen schon etliche Menschen, die auf die ersten Rennradfahrer der Dolomitenrundfahrt bei der Abfahrt warteten, aber teilweise auch uns bei der kräftezehrenden Auffahrt anfeuerten. In kleinen Pausen mischten wir uns in unseren Trinkflaschen mit dem Liptonice Icetea Pulver neue Getränke, die wesentlich besser schmeckten, als das klare Wasser an den Vortagen. Die Straße wurde immer schöner und beeindruckender, entlang der immer steiler werdenden Felswand. Störend war allerdings der relative starke Verkehr, der vor allem aus Touristen, aber auch aus Oldtimern von einem Oldtimer-Rennen bestand. Als wir am frühen Mittag die Paßhbhe erreichten waren wir ziemlich erstaunt, ein großes Touristikzentrum mit Souveniershops und Hotels vorzufinden Allerdings kam uns dies ganz gelegen, denn wir konnten, obwohl es Sonntag war, gut einkaufen und unsere Vorräte wieder auffüllen. Hier war auch eine große Servicestation für die Radler der Dolomitenrundfahrt aufgebaut. Die ersten Fahrer waren schon eingetroffen. Nach unserer privaten Brotzeit mit Semmeln und Keksen starteten wir zur Abfahrt zum Lago di S Guistina. Während wir die Abfahrt genossen, grüßten wir die Radler der Dolomitentour, die sich noch zur Paßhöhe hinaufquälten. Wir fuhren durch die Ortschaften Ronzone, Cavareno, Romeno, Malgolo, Sanzeno und erreichten Dermulo in der Nähe vom Lago di S Guistina. Da die größere Straße 43 nicht zu stark befahren war, landschaftlich sehr hübsch an dem Fluß T. Noce entlang führte und ständig leicht abschüssig war, entschieden wir uns, nicht über die kleinen Dörfer weiter westlich zu fahren, sondern eben diese Straße zu nehmen. Wir folgten ihr durch die Dörfer Taio und Segno bis zur Abzweigung in Richtung Denno. Wir bogen ab, folgten der kleineren Straße bis nach Crescino und bogen rechts in eine sehr schwach befahrene Straße ein, die sich in Serpentinen hinauf bis nach Spormaggiore schlängelte. Wir merkten sofort, daß wir schon die Anstrengungen des Mendelpasses in den Beinen hatten und mußten kleinere Gänge wählen. Spormaggiore war sin kleines, gemütliches, italienisches Dorf. Hier merkten wir, daß kaum jemand mehr deutsch sprach und wir mußten uns mit Händen und Füßen verständigen. Wir machten eine Pause, kauften uns jeder ein Eis, füllten die Radlflaschen wieder auf und schon folgte der nächste Anstieg nach Andalo. Andalo war ein großes Touristikzentrum der Italiener. Ab hier ging es wieder leicht abwärts bis nach Molveno am Lago di Molveno. Auch Molveno war ein großer Freizeitort, der an den zum See hin abfallenden Hang gebaut war. Wir entdeckten am Seeufer einen Campingplatz und überlegten, die Nacht dort zu verbringen, da das Zelten in der Gegend sonst nicht möglich war. Nachdem wir aber in einem Geschäft auf dem Campingplatz zwei neue Gaspatronen für unseren Kocher und 5 neue Päckchen Liptonice Icetea Pulver besorgt hatten, entschieden wir uns, noch weiter zu fahren. Wir fuhren eine schöne Straße am See vorbei, durch die Ortschaften S. Lorenzo, Andogno, Villa Banale, bis nach Ponte Arche. Als wir hier angekommen waren und auf die Uhr schauten, meinte Peter, daß es noch möglich sei, in den verbleibenden zweieinhalb Stunden bis zur Dunkelheit den Gardasee zu erreichen, und gab damit den Startschuß für ein abschließendes Rennen gegen die Zeit, nach dem ohnehin schon sehr anstrengenden Tag. So erhöhten wir dann noch einmal das Tempo und fuhren über Lomaso die ansteigends Straße durch die Ortschaft Stumiaga hindurch in Richtung Ballino. Wegen des Zeitdrucks mußten wir auch die letzte Steigung nach Ballino so schnell fahren, daß die Muskeln zu verkrampfen drohten und wir, oben angekommen, am ganzen Körper zitterten. Doch wir hatten keinen Zeit mehr für eine Ruhepause und so stürzten wir und sofort in die Abfahrt durch die Ortschaften Ville del Monte, Tenno, Cologna, Albola, nach Riva. Auch hier blieb uns nicht viel Zeit und wir machten uns auf den Weg durch die Tunnelstrecke am westlichen Ufer des Gardasees bis nach Limone. Um in den Tunnels gesehen zu werden befestigten wir eine Taschenlampe an den Rucksack des Hinteren und der Vordere hielt die andere Taschenlampe am Lenker in der Hand So erreichten wir mit letzter Kraft Limone und nahmen gleich den ersten Campingplatz am Hang in der Kurve zum Ortskern. Wir mußten einen Personalausweis hinterlegen und bekamen einen engen Platz für das Zelt zugewiesen. Nachdem wir das Zelt aufgebaut hatten, freuten wir uns schon auf die erste Dusche nach den fünf Tagen Radtour, wurden aber durch die eiskalte Dusche im Freien etwas enttäuscht. Da wir nichts für eine heiße Dusche bezahlen wollten und uns den Aufwand ersparen wollten, erst einmal den Schlüssel für eine heiße Dusche zu besorgen, holten wir unsere Badehose und die Bioseife aus dem Zelt und begnügten uns mit einer kalten Dusche im Freien. Es war ein herrliches Gefühl auch wieder frische Radkleidung anziehen zu können. Als wir wieder ziemlich zivilisiert aussahen, schlossen wir die R?der an die Betonmauer hinter unserem Zelt und gingen in den Ort, um Pizza essen zu gehen Es herrschte reges Leben in den engen Gassen und wir fanden bei einer Pizzeria direkt neben einer Unterhaltungsband einen Tisch. Die Pizza und die Limo schmeckten wunderbar, nachdem wir fünf Tage lang fast nur Nudel gegessen und Wasser getrunken hatten und eine so harte Tagesetappe hinter uns hatten. In dem ganzen Ort war viel mehr Leben als im Jahr davor, als wir mit dem Wohnmobil in den Herbstferien in Limone waren. Schließlich gingen wir durch den Ort zurück, setzten uns noch etwas vor das Zelt und feierten dort unsere Ankunft am Gardasee noch mit ein paar Keksen. Da wir für diese Alpenüberquerung nur viereinhalb statt den geplanten sieben Tagen benötigt hatten, entschieden wir uns, auch zurück mit dem Rad zu fahren. Danach gingen wir ins Bett und hatten nach diesem Tag kein Problem einzuschlafen.

6. Tag (26.7.1993):

Heute konnten wir lange ausschlafen, da wir auf einem Campingplatz standen und nicht befürchten mußten, weggescheucht zu werden Wir standen nach 9 Uhr auf und frühstückten in aller Ruhe. Danach gingen wir in den Ort. Wir kauften uns eine große eineinhalb Liter Flasche von der Limo, die am Abend davor in der Pizzeria so herrlich geschmeckt hatte, und eine große Straßenkarte von den Alpen für die Rückfahrt. Nachdem jeder ein Stück eisgekühlter Melone gegessen hatte, erkundigten wir uns, wann ein Schiff zurück nach Torbole ginge, auf dem wir die Fahrräder mitnehmen könnten, um nicht wieder die gefährliche Küstenstraße durch die Tunnels fahren zu müssen. Den Campingplatz mußten wir vor 12 Uhr verlassen haben, um nicht eine weitere Nacht bezahlen zu müssen. Deshalb bauten wir das Zelt ab und fuhren mit dem Schiff um 12:40 Uhr nach Torbole. Nach dem Abschied vom Gardasee schlugen wir den Weg nach Arco ein. In Arco war die Straße durch einen großen Markt versperrt. Wir schoben die Räder zwischen den Verkaufständen hindurch und blieben an einem Stand mit Fahrradzubehör stehen. Sogar der Flite-Sattel wurde angeboten, allerdings zu einem Preis, für den wir ihn in Deutschland auch bekommen hätten. Unsere Hintern hätten sowieso eher einen dicken gepolsterten Sattel, als den schmalen harten Rennsattel verlangt. Aber wir begnügten uns mit unseren alten Sätteln und fuhren weiter zur Ortschaft Dro, wo wir rechts abbogen, am Lago di Cavedine vorbeifuhren und bei der Ortschaft Sarche di Calavino wieder auf die Straße 45 kamen. Dieser, ständig ansteigenden Straße, folgten wir durch die Ortschaften Vezzano, Vigolo Baselga bis Cadine. Von hier konnten wir es in schneller Fahrt durch zwei größere Tunnels bis nach Trient laufen lassen. Von Trient bis Bozen hatten wir keine andere Möglichkeit, als die recht stark befahrene Bundesstraße zu fahren. Man konnte jedoch auf einem asphaltierten Seitenstreifen recht bequem fahren. Wir fuhren ein relativ hohes Tempo, um dieses recht unangenehme Stück schnell hinter uns zu bringen. Als wir in Bozen ankamen begann es schon leicht zu dämmern und es fing leicht zu regnen an. Da es in der Stadt aber keinerlei Möglichkeit gab, das Zelt aufzuschlagen, waren wir gezwungen in Richtung Meran weiterzufahren. Wir verließen Bozen und hielten auf unserem Weg Richtung Meran Ausschau nach einem geeigneten Platz, um das Zelt aufzubauen, was sich als ziemlich schwierig erwies, da dieses Langtal recht dicht besiedelt war und jeder freie Platz mit eingezäunten Weinoder Obstplantagen zugebaut war. Schließlich fanden wir auf etwa halber Strecke zwischen Bozen und Meran bei einer kleinen Ortschaft einen kleinen abgelegenen Park, in den wir hineinfuhren und am hinteren Ende des Parks einen mehr oder weniger geeigneten Platz für das Zelt fanden. Bevor wir das Zelt aufbauten, fuhren wir noch in die Ortschaft hinein, um unsere vier Wasserflaschen bei einem Gasthof aufzufüllen. Als wir das Zelt aufgebaut hatten, kochten wir uns einige Portionen Nudeln und legten uns schlafen.

7. Tag (27.7.1993):

Wir mußten wieder recht früh aufstehen, um nicht von den ersten Spaziergängern im Park überrascht zu werden. Trotzdem wollten wir nicht auf unser obligatorisches Nudelfrühstück verzichten, da wir uns für den heutigen Tag die Überquerung des Timmelsjochs (2509 m) vorgenommen hatten. Wir wußten beide noch nicht, ob wir diese Herausforderung schaffen würden und auch nicht, was wir machen sollten, wenn wir auf halber Höhe aufgeben müßten. In dieser Höhe wäre das Übernachten schlecht möglich gewesen, sowohl wegen den niedrigen Temperaturen nachts, wie auch wegen der Tatsache, daß es ziemlich unmöglich ist, dort oben einen geeigneten, einigermaßen ebenen Platz für das Zelt zu finden. Uns blieb jedoch keine andere Möglichkeit, als das Risiko auf uns zu nehmen und darauf zu vertrauen, daß wir die allein 2300 Meter Höhenunterschied vom Startplatz bis zur Paßhöhe an diesem Tag schaffen würden (noch nicht eingerechnet, daß es teilweise auch etwas abwärts ging und wir diesen Höhenverlust damit ein zweites mal wieder hochfahren mußten). Trotzdem brachen wir recht optimistisch nach Meran auf. Wir füllten unsere Vorräte wieder auf und kauften uns auch einen Liter frische Milch, den wir gemeinsam aus der Packung austranken. Wir folgten den Wegweisern, die schon das Timmelsjoch ankündigten. In zügigem Bergrhythmus kurbelten wir die kleine, kaum befahrene, ansteigende Straße nach St. Leonhard hoch. Hier machten wir unsere erste Pause und kauften ein paar Kekse, eine Dose Pfirsiche und ein paar Postkarten, die wir auf einer Bank auf dem Dorfplatz schrieben. Eine sehr nette, ältere Frau sah uns mit Rad und Rucksack und bot uns an, ein paar Tage in ihrem Haus zu bleiben und Tagestouren zu unternehmen. Wir waren sehr überrascht über dieses großzügige Angebot, aber lehnten dankend ab, da wir zeitlich noch einen kleinen Freiraum für die Strecke nach Hause haben wollten. Als wir die Ortschaft St. Leonhard verließen, verließen wir damit gleichzeitig die letzte Übernachtungsmöglichkeit vor der Paßhöhe, die immerhin noch etwa 1800 m höher lag. Wir fanden schnell wieder in unseren Rhythmus und kurbelten die immer steiler ansteigende, aber wunderschön gelegene Straße in Richtung Timmelsjoch hoch. Als wir in einer kleinen Straßenbucht mit herrlicher Aussicht Pause machten und ein paar Kekse aßen, hielt in dieser Bucht auch ein Auto, und eine Familie packte Campingtisch, Stühle und Picknickkorb aus. Sie schauten uns total verständnislos an, als wollten sie sagen: "Seid ihr nicht mehr ganz dicht, hier mit dem Fahrrad und noch dazu mit so schweren Rucks5cken hochzufahren !?!". Als wir weiterfuhren, merkten wir, wie die Kraft in den Beinen immer mehr schwand und es zu einem harten Kampf gegen sich selber und das Ziehen und Brennen in den Beinen wurde. Wir fuhren durch einige kleinere Tunnels, die eigentlich für Fahrräder gesperrt waren, doch keiner der Radfahrer, die wir trafen hielt sich daran. Bald bot sich uns ein schöner Ausblick auf die letzten Serpentinen, die noch vor uns lagen. Wir kamen an einem Gasthaus vorbei und kauften uns jeder ein Eis. Dort saß auch eine Gruppe italienischer sportlicher Rennradler, die den Paß von der anderen Seite aus gefahren waren und eine Pause auf der Abfahrt einlegten. Als wir sie fragten, wie die Fahrt über den Paß sei, versuchten sie uns auf italienisch und gebrochenem deutsch mitzuteilen: "Man kommt schon rüber. Es ist halt etwas anstrengend. " Also setzten wir die Rücksäcke wieder auf und starteten zu den letzten Serpentinen, die teilweise brutal steil waren und uns zwangen fast durchgehend den ersten Gang zu benutzen. Die Beine fingen an zu zittern und mit der letzten Kraft erreichten wir einen großen Parkplatz vor dem Tunnel zu Paßhöhe. Von hier hatten wir einen wunderbaren Ausblick auf die umliegenden Berge und die gerade erst bezwungenen letzten Serpentinen. Wir fuhren, von dem Gefühl, auch diesen Paß erfolgreich bezwungen zu haben, angetrieben, das letzte kleine Stück durch den Tunnel zur Paßhöhe und zum Grenzübergang auf einer Höhe von 2512 Metern. Der Grenzbeamte winkte uns mit einem freundlichen Lächeln durch und wir waren wieder in Österreich. Direkt hier auf der Paßhöhe gab es sogar ein kleines Restaurant, in das wir einkehrten um mit dem übrigen italienischen Hartgeld noch eine heiße Gulaschsuppe zu essen, denn hier oben war es recht kalt und in vielen Ecken lag sogar noch Schnee. Danach zogen wir uns warme Sachen und die Regenjacken für die Abfahrt in Ötztal an und setzten uns wieder auf die Räder. Auf dem ersten, serpentienenreichen Stück überholten wir einen Kleinbus, der in den Kehren immer sehr stark abbremsen mußte. Es folgten aber auch steile, gerade Strecken, in denen wir die Räder bis über 80 km/h beschleunigen ließen. Durch die schweren Rucksäcke hatten wir eine große Beschleunigung. Bald wurden wir jedoch mit einem Anstieg überrascht, mit dem wir nicht mehr gerechnet hatten. Soviel Spaß die Abfahrt bis hierher gemacht hatte, soviel Mühe machte uns jetzt dieser Anstieg, da wir unsere ganze Kraft in die Auffahrt zur Paßhöhe gesetzt hatten. Aber auch diesen Anstieg bezwangen wir nach einiger Zeit und genossen die folgende Abfahrt durch Gurgel ins Öztal. Wir folgten dieser Straße durch das Ötztal, durch die Ortschaften Sölden, Huben und Längenfeld bis kurz vor der Ortschaft Ötz. Dort sahen wir rechts von unsere Straße eine große Wiese zum Zelten. Wir besorgten uns in einer Kneipe in der nahegelegenen Ortschaft noch Wasser für unsere Trinkflaschen und fuhren dann zu dieser Wiese, auf der wir das Zelt sichtgeschützt hinter einem natürlichen Biotop aufbauten während es leicht zu regnen anfing. Wir kochten uns einige Portionen Nudeln und schauten uns dis Etappe für den folgenden Tag auf der Karte an. Wegen dem hohen Gras lagen wir sehr bequem und schliefen nach den Anstrengungen dieser wohl mit härtesten Etappe der Tour schnell ein.

8. Tag (28.7.1993):

Wir standen wegen dem guten Zeltplatz erst etwas später auf und mußten zu unserer Enttäuschung feststellen, daß es regnete. Kaum hatten wir Italien verlassen, schon war das schöne Wetter vorbei. Also ließen wir uns viel Zeit bei unserem Nudelfrühstück und bauten dann in einer Regenpause das Zelt ab und packten unsere Sachen zusammen. Wir stiegen auf unsere Räder und fuhren durch die Ortschaft Ötz weiter ins Inntal bis Telfs vor Innsbruck. Dort fanden wir nach kurzem Suchen die kleine Straße nach Mittenwald. Der letzte größere Anstieg der Tour von etwa 600 Höhenmeter lag vor uns. Leichter Regen hatte wieder eingesetzt und wir merkten, daß die vergangene Woche uns kräftemäßig völlig ausgelaugt hatte. Auf dieser Straße schien in diesem Jahr auch das Radfahren eines großen Triathlons stattgefunden zu haben, denn wir konnten überall die Namen von bekannten Triathleten, wie zum Beispiel Mark Allen, lesen. Die, bezüglich den Vortagen, lächerlichen 600 Hm machten uns, wohl auch wegen dem Regen, ganz schön zu schaffen und wir erreichten erst nach etlicher Zeit den Gipfel. Bei einem Bauernhof konnten wir, nachdem wir den Bauern gefragt hatten, unsere Trinkflaschen in der Scheune mit frischem Leitungswasser auffüllen. Wir dachten schon fast, in Mittenwald zu sein, jedoch die Strecke zog sich noch ganz schön in die Länge. Als wir in Mittenwald ankamen, rechneten wir uns aus, daß es zeitlich noch durchaus möglich sei, noch am selben Tag daheim in Zorneding anzukommen. Deshalb rief Peter daheim an und gab eine lange Bestellung für ein festliches Essen zum Abschluß der Tour auf. Wir machten auch eine kleine Pause und stiegen dann wieder aufs Rad und fuhren die etwas unangenehme Strecke auf der B11 bis kurz vor dem Walchensee, wo wir rechts in eine kleinere, fast überhaupt nicht befahrene Mautstraße einbogen, die am Walchensee entlang, durch die Jachenau und bis nach Lengries führte. Auf dem Stück am Walchensee entlang machte zum ersten Mal auf der gesamten Tour ein Rad auf sich aufmerksam. Bei Peters Rad hatte sich eine Schraube zur Befestigung des kleinsten Kettenblattes gelockert und war verkantet. Da wir das kleinste Kettenblatt auf dieser Tour nicht mehr brauchten, entfernten wir die Schraube und fuhren weiter. Jeder kleine Hügel auf dieser Strecke machte uns plötzlich zu schaffen und wir mischten uns bei Jachenau das letzte Päckchen Perform Getränkepulver (kohlenhydratreiches Sportgetränk für Ausdauerleistung) an, das wir für solche Fälle mitgenommen hatten. Als wir Lengries erreichten, kauften wir uns in einem Supermarkt kleine Schokoladentörtchen, Schokoladenkekse und eine Tafel Schokolade. Die Törtchen und den großen Teil der Kekse aßen wir sofort, die Tafel Schokolade hoben wir uns auf. Wir fuhren weiter und merkten in Bad Tölz, daß die Zeit bis zur Dunkelheit um ca. 8 Uhr sehr knapp für die noch zu bewältigende Entfernung wurde. Wir konnten uns keine Pause mehr leisten und schlugen gleich den Weg Richtung Holzkirchen ein. Der Regen wurde stärker und wir waren bald bis auf die Haut naß. Wir waren dicht dran, uns von hier mit dem Auto abholen zu lassen, doch der Ehrgeiz, die Tour mit dem Rad bis zum Ende durchzufahren trieb uns durch den teilweise recht heftigen Regen mit Windböen weiter. In Holzkirchen entschieden wir uns für den Weg über Sauerlach, da uns dieser am kürzesten und einfachsten erschien. Die Zeit wurde immer knapper und wir konnten uns unter keinen Umständen mehr eine Pause gönnen, obwohl wir sie dringend nötig gehabt hätten. Kurz vor Sauerlach wurde aus dem heftigsn Regen ein stürmischer Hagelschauer mit groBen Hagelkörnern, die hart auf den Helm trommelten und die Hände und freien Oberschenkel schnell feuerrot schlugen. Von den sehr warmen und durch den Regen nassen Oberschenkel sah man das Wasser verdampfen. Man konnte kaum noch fünf Meter weit sehen und der Vordere orientierte sich am weißen Fahrbahnbegrenzungsstreifen und der Hintere am Hinterrad des Vorderen. Immer wieder wurde man durch heftige Windböen um mehr als 7 km/h abgebremst, was die ganze Sache noch zermürbender machte, da wir ohnehin schon am Ende unserer Kräfte waren. Als wir in Sauerlach ankamen regnete es nur noch leicht und wir fuhren durch Höhenkirchen wieder in die heimische, vertraute Gegend. Der Regen hörte sogar auf und es war ein erhebendes, triumphierendes Gefühl trotz aller widrigen Umstände zum Schluß noch mit dem Rad die vertraute Straße von Harthausen nach Zorneding zu fahren. Wir hatten es gerade noch vor der Dunkelheit geschafft und nahmen uns jetzt doch noch die Zeit am Ortsschild ein Foto zu machen, da wir den ganzen Tag wegen des Zeitdrucks nicht zu einem einzigen Foto gekommen waren. Nachdem jeder zu sich nach Hause gefahren war, um sich zu Duschen, das Radtrikot nach 8 Tagen wieder gegen zivile Kleidung zu tauschen und sich aufzuwärmen, trafen wir uns bei Steinlehners zu einem wahren Festessen mit Lasagne, Schokoladenpudding und vielem mehr, was nach der Radverpflegung, die zum größten Teil aus trockenen Nudeln morgens und abends bestand, einfach unbeschreiblich gut schmeckte. Wir konnten beide auf eine wundervolle Radtour zurückblicken, in der jeder wiederholt bis an seine Grenzen gegangen war und manchmal vielleicht sogar ein Stück drüber hinaus. Wir konnten auf eine Radtour zurückblicken, deren Reiz und Herausforderung auch darin lag auf fast sämtlichen Luxus, wie zum Beispiel Dusche, Luftmatratze, Isomatte etc, zu verzichten. Eine Radtour, in der sich jeder mit dem anderen gut verstanden hatte, und sich jeder in jeder Situation auf den anderen verlassen konnte. Eine Radtour, die uns sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird.



Copyright: Christian Flenker, 1999 To top