4. Tag (19.09.01): St. Jean de Maurienne - Briancon
Das Wetter ist in Ordnung, die Sonne scheint. Wir fahren zunächst auf kleineren
Straßen neben der Bundestraße her, müssen die letzten Kilometer nach St. Michel jedoch
größere Straßen nehmen. Hier beginnt der Aufstieg zum Col de Telegraph. Die Verkehrsdichte ist
in Ordnung, wenn auch deutlich höher als am Col de la Madeleine vom Vortag. Wir fahren an einem
älteren Radler mit dichtem Vollbart vorbei, der auf seiner eigenen 'Tour de France' ist.
Hinter dem Col de Telegraph geht's ein paar Höhenmeter hinunter bis zur Ski-Touri-Stadt Valloire.
Die Stadt scheint im Sommer praktisch tot zu sein. Wir setzen und auf eine Bank vor einem
geschlossenen Supermarkt und machen eine Pause. Danach geht's weiter bis zum Col du Galibier.
Die letzten Kehren bis zu Passhöhe pfeift ein eiskalter Wind. Die Kräfte schwinden, trotzdem
ist das Weiterfahren die einzige Möglichkeit den Körper etwas warm zu halten. Das Gefühl schwindet
aus den eiskalten Fingern. Auf der Passhöhe ziehen wir alle zur Verfügung stehenden Kleidungsstücke an
und machen uns auf die Abfahrt. Nach einigen Kehren muß ich anhalten um meine eiskalten Finger unter
der Jacke zu wärmen um noch in der Lage zu sein, die Bremse zu betätigen. Wir kommen auf der Passhöhe des
Col du Lautaret heraus und fahren auf der stetig abfallenden Straße bis Briancon. Der Campingplatz mit dem
wir hier gerechnet hatten hat bereits geschlossen. Enttäuscht setzen wir uns in einen Mäcki und essen zunächst
einen Burger. Was tun? Zurück berghoch zum letzten Campground (ca. 4 km) oder hinunter und irgendwas
passendes (Wiese, Waldrand etc.) suchen? Wir entscheiden uns für letzteres und machen uns zunächst auf die Suche
nach einem Supermarkt, den wir nach längerem Herumgeirre dann auch wirklich finden. Auf dem Weg aus der Stadt hinaus
haben wir dann auch tatsächlich das Glück einen richtigen Campingplatz zu finden. Zwar recht teuer und nicht wirklich gut
aber besser als wildes Campen allemal.
5. Tag (20.09.01): Briancon - la Condamine/Chatelard
Für das Frühstück ziehen wir uns in einen kleinen Aufenthaltsraum
zurück da es draußen ungemütlich kalt geworden ist. Frische Croissants
vom Campingwart und die Baguettes vom Supermarkt bilden ein vorzügliches
Frühstück. Während der Auffahrt zum Col d'Izoard scheint die Sonne und es
wird uns das erste mal auf der Tour richtig warm. In kurzen Radlsachen kurbeln wir uns
bis zum Izoard hinauf. Auf der Passhöhe steht ein kleines Tour de France Museum, das
leider geschlossen hat. Durch das Fenster können wir jedoch die gelben Baumwolltrikots
vergangenen Tour de Frances sehen. Im Schutz einer kleinen Hütte machen wir Brotzeit.
Es folgt eine rasante Abfahrt bis Guillestre, am Ende durch eine wunderschöne Klamm.
Es ist kurz nach 15:00 Uhr und wir entscheiden uns den Col de Vars noch in Angriff zu nehmen.
Zunächst warten wir jedoch 15 Minuten bis ein großer Supermarkt aufmacht um unsere Vorräte
aufzufüllen. Die Auffahrt zu Col de Vars wird sehr anstrengend, da wir beide schon den ersten
Pass deutlich in den Beinen spüren. Wir kommen durch les Claux ein Skiort, der jetzt im Herbst
wie eine Geisterstadt wirkt. Kein Mensch auf den Straßen, die hohen Wohnklötze abgeschlossen, alle
Geschäfte verlassen und geschlossen. In der Abendsonne fahren wir die Passstraße hinab und erleben
hinter St. Paul ein Überraschung. Vor einem Tunnel ist die Straße gesperrt. Ein großes Schild
sagt 'Keine Durchfahrt - Lebensgefahr'. Was sollen wir tun? Das Zelt können wir nirgends aufbauen.
Links geht's steil bergab zu einem Fluss, rechts steil bergauf. Wir beschließen vorsichtig die
Räder an dem Schild vorbei durch den Tunnel zu schieben. Am Ende des Tunnels sehen wir den Grund für
die Warnung. Rechts hängt ein Bagger 40 Meter über uns in der fast senkrechten Felswand und
hämmert lose Brocken herunter. Kürbisgroße Felsbrocken krachen vor uns auf die Straße.
Wir können einen Bauarbeiter auf uns aufmerksam machen. Dieser funkt den Bagger an, der eine kleine
Pause macht. Wir schultern unser Bikes und folgen im Laufschritt hinter dem Bauarbeiter über
Schuttberge, die auf der Straße liegen, bis zum Ende der Baustelle. Wir bedanken uns vielmals.
Kurz hinter der Baustelle treffen wir einen französische Radler namens Patrick mit Gepäcktaschen, der
gerade sein Rad wieder zusammenbaut. Er hatte sich tatsächlich 2mal rechts über den Berg, oberhalb des
Baggers durch die Vegitation geschlagen, bis er sein Bike und seine Gepäcktaschen an der Baustelle vorbei
wieder auf der Straße hatte. Wir fuhren mit ihm zusammen weiter und entschieden und gemeinsam auf dem
Campingplatz vor Jausiers zu bleiben. Mal wieder war der Campingplatz geschlossen. Wir stellten uns trotzdem
drauf und waren froh, daß zumindest die Wasserleitungen funktionierten. Patrick war von Beruf Koch und
bereitete sich auf seinem Gaskocher ein richtiges Essen, während wir mal wieder unser Nudelpackungen aufrissen.
Zu allem Luxus stieg Patrick noch aufs Rad und holte aus der nahegelegenen Ortschaft eine Wursch und 2 Flaschen
Bier.
6. Tag (21.09.01): la Condamine/Chatelard - 16 km vor Nizza
Nachdem wir unser Zelt abgebaut hatten und bereits das Frühstück hinter uns hatten lag Patrick
noch immer in seinem Zelt und schlief. So brachen wir auf ohne uns verabschieden zu können.
Als wir den Campingplatz verließen tauchte die Inhaberin auf und beschimpfte uns, wie wir
hier auf dem geschlossenen Platz übernachten konnten. Wir waren gerne bereit die Übernachtung
zu bezahlen, obwohl wir außer ein wenig Wasser nichts in Anspruch genommen hatten. Die Frau war
jedoch nicht zu beruhigen uns so fuhren wir einfach davon. Im nächsten kleinen Ort fanden wir
einen kleinen Bäcker, kauften in einem kleinen Laden Käse und eine Salamiwurst und genossen
in der Sonne ein super Frühstück. Hinter Jausiers stieg die Straße sofort steil an zum Col de la Bonette.
Wir arbeiteten uns die kleine sehr verkehrsarme Straße hinauf. Kurz vor dem Col de Restefond machten wir
in einer kleinen Kehre Brotzeit mit gewaltigem Blick über das Tal. Am Col de Restefond zeugen alte Wehranlagen
von vergangenen Kriegen. Am Col de la Bonette bleibt einem die Möglichkeit noch eine zusätzlich kleine Schleife
zu fahren um den höchsten anfahrbaren Punkt der Alpen auf 2808m zu erreichen. Oben treffen
wir viele Motorräder und auch zwei Wohnmobile auf Deutschland. Nach einer Pause und einer netten Unterhaltung
mit der Wohnmobil-Crew lassen wir es bergab laufen. Peter erwischt es mit dem ersten (und auch letzten) Platten
auf der Tour. Den Campingplatz bei la Blache lassen wir liegen und fahren weiter bis St. Sauveur. Kurz vor dem
Dorf sehen wir rechts einen Abzeig zu einem Campingplatz. Laut Karte liegt der Campground jedoch 1-2 km nach
dem Ort und so fahren wir in den Ort hinein, kaufen einen kleinen Tante-Emma-Laden praktisch leer und wollen
uns hinter dem Ort auf den Campground stellen. Als nach knapp 5 km Abfahrt jedoch noch kein Campingplatz in
Sicht gekommen ist wird uns klar, daß dieser in der Karte falsch verzeichnet war. Zurück bergauf kommt für
uns nicht in Frage und so fahren wir weiter. Das Tal wir immer enger, keine Chance irgendwo das Zelt aufzustellen.
Es fängt langsam an zu dämmern und wir machen abwechselnd Tempo. Auch als wir auf die Bundesstraße 202 treffen
sehen wir keine Möglichkeit das Zelt aufzubauen. Wir sind beide ziemlich fertig machen aber wegen der drohenden
Dunkelheit weiter Tempo. Erst 14 km vor Nizza erreichen wir zu unserer Erleichterung eine Campingplatz. Die letzten
Kilometer waren wir auf der sehr stark befahrenen Straße mit eingeschaltetem Rücklicht dahingehetzt und waren jetzt
sehr froh, nicht in der Dunkelheit in das Chaos der Großstadt Nizza einfahren zu müssen. Nach einer eiskalten Dusche
(nur kalt war kostenlos) genießen wir ein üppiges Abendessen mit Nudeln, und Kuchen.
7. Tag (22.09.01): 16 km vor Nizza - Nizza
Wir stehen spät auf, setzen uns auf die Räder und kubeln die letzten Kilometer hinein in
das Verkehrschaos von Nizza direkt zum Strand und erfrischen und mit einem ausgiebigen Bad im
Mittelmeer. Am Strand genießen wir die Sonne und essen Kekse. Danach geht's zum Bahnhof, wo
wir erfahren, daß eine Mitnahme von Rädern im Zug nach Genf nicht möglich ist. Sch... So machen wir uns auf die
Suche nach Müllsäcken und Packetklebeband was sich als gar nicht einfach herausstellt. Letztendlich schaffen
wir es jedoch rechtzeitig die Räder demontiert und verpackt zu haben und steigen in den TGV ein. Dieser schleicht
mit niedriger Geschwingigkeit an der Mittelmeerküste entlang und hat bald über ein Stunde Verspätung. In Lyon
fährt uns deswegen der Anschlußzug nach Genf weg und an der Information erklärt man uns zunächst, daß der nächste Zug
erst am nächsten Morgen um 6:10 Uhr fährt. Doch dann tut sich doch noch die Möglichkeit auf, in einem Ersatzbus nach Genf
zu kommen. Dieser Bus zuckelt durch jede kleine Ortschaft und so erreichen wir Genf statt um 10:30 Uhr erst um 2:30 Uhr.
Trotzdem holt der Bekannte uns noch mit dem Auto ab und wir können bei ihm die Nacht bleiben. Am nächsten Morgen hat seine
Frau eine wunderbares Frühstück hergerichtet. Wir bedanken uns vielmals für die riesige Gastfreundschaft und brechen mit dem
Auto wieder Richtung München auf.