1. Tag (16.09.01): Anfahrt Auto: München-Genf; Rad: Genf-LePetit Bernand
Wir starten mit dem Auto gegen 9 Uhr in München. Es regnet. Egal, vielleicht hat's in Genf besseres Wetter.
Wir fahren am Bodensee vorbei ... Regen ... kommen nach Zürich ... Regen ... erreichen Genf ... Regen.
Egal, wir wollen trotzdem heute noch den ersten Campground erreichen. Wir können netterweise das Auto bei
einem alten Schulfreund von Peters Vater in Genf abstellen. Räder aufbauen, Goretex anziehen, verabschieden
und schon sitzen wir auf den Bikes zu einer neuen Tour. Sogar der Regen hat aufgehört. Wir kämpfen uns durch das
Chaos von Genf. Die Strecke zum nächsten Campground (laut Karte) scheint sich doch etwas zu ziehen. Es wird dunkel.
Peter packt seine Stirnlampe und das Rücklicht aus. Kräftiger Regen setzt wieder ein. Es ist stockdunkel, es regnet
und wir quälen und durch eine enge Schlucht bergauf. Jedes Schild wird mit der Stirnlampe angeleuchtet um bloss nicht
den Campground zu verpassen. Um kurz vor 9 Uhr erreichen wir endlich den Campground. Kein Mensch da. Nur ein Wohnwagen
steht verlassen auf dem Platz. Egal. Es regnet immernoch. Wir haben keine Lust das Zelt aufzubauen und beschließen uns
in den überdachten Eingang zu den Spülräumen zulegen. Zumindest trocken. Mit trockener Hose und Fleece fühlt man sich gleich
wohler. Einen heißen Topf Nudeln dann in den warmen Schlafsack, geschützt vom Regen, was besseres hätte uns unter diesen Umständen
nicht passieren können.
2. Tag (17.09.01): Le Petit Bernand - La Bathie
Als wir aufwachen regnets noch immer. Keiner will aus dem warmen Schlafsack raus und
in die kalten, noch immer nassen Radlsachen hinein, aber wir haben keine Wahl. Das Frühstück fällt
auch sehr dürftig aus. Eine alte Semmel vom Vortag und ein paar Müsliriegel. Als wir den Campingplatz
verlassen klopfen wir kurz an die Tür. Eine Frau schaut im ersten Stock aus dem Fenster. Sie will
jedoch nichts für die Übernachtung kassieren und wünscht uns gute Fahrt. Sehr nett. Der Weg führt uns
stetig ansteigend bis zum Col de Aravis. Aus der Passhöhe ist es kalt windig und es schneit. Wir
sind hier gerade mal auf 1500m und es schneit! Wie soll das bloss auf über 2600m werden? Wir
ziehen unsere Regenjacken dicht, lassen es laufen bis Flumet und fahren weiter über Ugine und Albertville
bis la Bathie. Dort haben wir die Wahl zwischen zwei Campingplätzen und entscheiden und für den kleineren
im Ort. Zunächst müssen wir jedoch noch was zum Essen besorgen und finden erst nach längeren Suche eine
Bäckerei, die wir nahezu leerkaufen. Zurück zum Campingplatz, zeltaufbauen, und Baguettes verschlingen.
Die Sonne ist etwas rausgekommen und wir sitzen bequem auf Campingstühlen vom Nachbarplatz. Gegen Abend setzt
wieder Regen ein. Wir finden ein kleine offene Scheune und beschließen das Zelt abzubauen und auf dem
Betonboden der Scheune zu übernachten. Zumindest trocken. Zwischen gewaltigen Regenschauern blitz hin und wieder
die Sonne durch und erzeugt intensive Regenbogen.
3. Tag (18.09.01): La Bathie - St. Jean de Maurienne
Der Regen ist vorbei und der Himmel strahlend blau! Super! Wir fahren nochmals an
der Bäckerei vorbei. Ich kaufe mir in einem Radlladen neue Bremsgummis. Der Regen hatte
meine Klötze schnell abschleifen lassen. Parallel zu der großen Fernstraße schlagen wir uns durch kleine
Dörfer. Auf einer kleinen Mauer genießen wir die Sonne und
unser reichhaltiges Frühstück. Wir zweigen ab Richtung Col de la Madeleine und die Straße steigt sofort steil an. Praktisch
kein Verkehr. Hin und wieder mal die zwei Fahrzeuge von irgendwelchen Jägern. Ein Müsliriegel
auf halber Höhe und weiter hoch bis zum Col. Aus der Straße die Schrift einer Tour de France. Sprüche wie
'Jan du Sau - quäl dich!'. Ob das wirklich motiviert? Trotz den 1984m ist es hier dank der Sonne deutlich angenehmer und wärmer
als am Vortag auf dem Aravis. Rasante Abfahrt bis La Chambre, dann gleich weiter bis St. Jean de Maurienne.
Mitten in der kleinen Stadt finden wir einen Supermarkt, kaufen groß ein und setzen uns mit dem Einkaufswagen
mitten in eine Wohnanlage ein paar Meter entfernt. Die Passanten schauen und misstrauisch an während wie Baguette,
Kuchen und Trinkjoghurt genießen. Die Sonne scheint, trotzdem fröstelts uns. Auf der Karte haben wir keinen Campingplatz
für die nächste Übernachtung gefunden. Wir fahren weiter und freuen uns um so mehr als wir noch innerhalb der Stadt einen
billigen, super gepflegten, nagelneuen Platz finden. Dort treffen wir auf 2 Kerls, die mit dem Auto auf Bayern hierhergekommen
sind und hier ihr Ausgangpunkt für Rennradtouren auf die großen Tour de France Pässe gewählt haben.
Wir genießen eine heiße Dusche und einen großen Nudeltopf in der Abendsonne.