Wyoming/USA [Bericht 1 2 3 4 5 6 ]
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4. Tag (10.8.00): hinter Three Forks Ranch - zwischen Baggs und Creston Junction
Ich wache um 6:30 Uhr auf. Peter döst noch etwas. Wir müssen den frühen Morgen nutzen, solang es noch nicht zu heiß ist. Das Brotlaib von gestern ist 1 Woche über "best before....". Sch..., dann gibt's halt nur Müsliriegel zum Frühstück, wir wollen nichts riskieren. Zelt abbauen, alles ist staubig. Temperaturen sind noch angenehm zum Radeln. Jetzt kommt man öfter mal an einer Ranch vorbei. Irgendwann ist sogar die Straße geteert. Wir die Wahl zwischen einer direkten Verbindung nach Rawlins, ohne Versorgung, oder weiter westlich nach Creston Junction, dafür aber mit 2 Stores zwischendrin. Die Wahl fällt auf letzteres. Gleich im ersten Store in Savery kaufen wir den Laden praktisch leer, mehrere Liter Gatorade, Brot, Paprika, Käse und verspachteln den Grossteil gleich vor dem Laden. Kolibris schwirren um die Blumenstauden. 11 Milen später treffen wir in Baggs ein. Von hier aus geht's jetzt gut 50 Milen durch die Wüste ohne irgendwas zwischendrin bis nach Creston Junction. Mittlerweile sind die Temperaturen wieder auf weit über 30°C gestiegen und ich kaufe mir die härtest Sonnencreme, die der Laden zubieten hat, Preis egal. Weiterhin verstauen wir 2 Gallon Trinkwasser, mehrere Gatorade-Flaschen und Limoflaschen in unserem Gepäck. Für jeden ca. 7 kg Flüssigkeit extra. Es ist bereits Mittag und uns ist klar, das wir Creston Junction bei der Hitze an diesem Tag unmöglich erreichen können. So genießen wir noch eine halbe Stunde den Schatten des Shops, bevor wir auf der Straße durch Wüstenlandschaft fahren, soweit das Auge reicht. Nach wenigen Meilen zwingt uns ein Platten an meinem Hinterrad zu einem Stopp. Keiner von uns hat Bock bei der Hitze ohne Schatten jetzt lang nach dem Loch zu suchen und so ziehen wir gleich einen Ersatzschlauch ein. Ob der Asphalt vielleicht für die Reifen zu heiß ist? Barfuß laufen wäre auf jeden Fall nicht mehr möglich. Irgendwo scheuchen wir eine Antelope auf, die in schnellen Sätzen flieht. Wie können diese Tiere hier überleben? Eigentlich wollen wir auf halben Weg nach Wamsutter abzweigen, aber als wir die Dirt Road sehen, ist uns das Risiko doch zu groß unter diesen Bedingungen auf eine Schotterstraße abzubiegen, auf der sicherlich nicht mehr als 1-2 Autos pro Tag fahren. So bleiben wir auf dem Highway wo man zumindest alles 5-10 Minuten mal ein Auto sieht. Zwischendrin eine Pause auf dem Seitenstreifen, viel Trinken, Apfel+Banane, Kekse, das tut gut. Irgendwann sogar eine kleine Wolke vor der Sonne, der erste Schatten seit Baggs. Ab 18:00 Uhr wird die Hitze erträglicher, wir rollen locker weiter bis wir auf eine Historical Site treffen, wo der Highway eine alte Post+Pionier-Route kreuzt. Guter Platz um die Nacht zu verbringen. Mehrere Wolken bieten ab und zu etwas Schatten, ein kräftiger, warmer Wüstenwind setzt ein. Östlich von uns scheint es sogar etwas zu regnen, wir kriegen leider nichts davon ab, sehen jedoch einen schönen Regenbogen. Die Wüste ist in ein warmes, gelbes Licht getaucht. Wir bauen den Kocher auf und kochen eine Nudelmahlzeit, Peter isst seine zerquetschten Donuts aus Baggs. Die erste Nacht richtig in der Wüste, wundervoll, man fühlt sich klein und doch frei, die Sonne versinkt am Horizont, man spürt den warmen Wind auf der Haut. Zähneputzen fällt aus, Wasser ist kostbar. Keiner von uns hat Bock aufs Zelt. Wir legen uns in unseren Schlafsäcken auf unsere TermARest hinter die Leitplanke und Schlafen unter einem wundervollen Sternenhimmel ein.








5. Tag (11.8.00): zwischen Baggs und Creston Junction - Rock Springs
Die Geräusche der Wüste in der Nacht und die Tatsache, dass man wegen der warmen Temperaturen den Schlafsack nicht vollständig zumachen kann, verursachten dann bei mir doch Unbehagen. Nicht weit entfernt liegt ein Gebiet, dass Rattlesnake Range heißt. So bauen wir dann doch noch mitten in der Nacht im Licht der Taschenlampen das Zelt auf. Wegen dem harten Untergrund müssen die Radtaschen etc. die Heringe ersetzen. Um 6:00 Uhr kriechen wir aus dem Zelt und genießen das Panorama beim weichen Licht der aufgehenden Sonne. Diesmal sogar ein richtiges Frühstück mit Brot aus dem Laden in Braggs. Auf dem Rad macht sich sofort der Hintern bemerkbar. Aber auch daran gewöhnt man sich. Schon nach wenigen Meilen setzt wieder der Wüstenwind ein, zu unserer Freude sogar direkt von hinten. Wir fliegen nur so dahin, immer zwischen 30-40 km/h, vorbei an Erdgas- und Erdölförderanlagen bis hin nach Crestion Junction. Die Wasservorräte sind bis auf eine Radlflasche erschöpft und wir haben entsprechend der netten Verkäuferin in Braggs fest damit gerechnet in Creston Junction zumindest Wasser wieder auffüllen zu können. Stattdessen nur wenige Buden, verrammelt, mit Werbung für Feuerwerkskörper. Was will man hier, mitten in der Wüste, mit Feuerwerkskörpern? Uns blieb nichts anderes übrig als uns die letzte Flasche sparsam aufzuteilen und damit weitere 13 Milen bis Wamsutter zu überbrücken, diesmal entlang des Interstate-Highways 80. Das Radeln an dem doch stärker befahrenen Highway ist wegen dem breiten Seitenstreifen zwar relativ gefahrlos möglich, jedoch bläst uns der starke Wind jetzt schräg von vorne entgegen. Die 13 Milen werden damit unvergleichlich härter als die 25 Milen bis Creston Junction. Angekommen in Wamsutter wollen wir für 80-100 Milen auf den Zug umsteigen, da wir keinen Bock hatten für diese Entfernung ca. 20 Liter Wasser mitzuschleppen und uns zwei weitere Tage durch die Hitze der Red Desert Wüste zu kämpfen. Das Mädel in Braggs hat doch irgendwas von einer Bahnstation gesagt. Wir können allerdings nichts finden, die Dame im Supermarkt weiß auch von nichts. Nur Güterzüge und die fahren durch. Mist. Die in Braggs hat wohl echt keine Ahnung, kein Wasser in Creston Junction, kein Bahnhof in Wamsutter! Ist die noch nie aus ihrem Nest Braggs herausgekommen? Egal, wir müssen uns was anderes einfallen lassen. Weiter mit dem Bike war nicht die favorisierte Lösung. Da sehen wir einen Pickup, der ebensfalls vor dem Supermarkt hält und bieten dem Fahrer $20, wenn er uns bis Rock Springs mitnimmt. Nachdem er uns gemustert hat und uns wohl als verrückt aber nicht gefährlich eingestuft hat, willigt er ein und wir können unser Bikes auf die Ladefläche des PickUps packen. Auf der Fahrt nach Rock Springs managt Peter den Grossteil der Kommunikation mit dem Fahrer, da er wohl noch ein wenig mehr von dem Slang versteht als ich. Es geht über ein Privatflugzeug , dass wohl mal irgendwann hier in der Wüste abgestürzt war und erst einige Jahre später gefunden wurde, über die teueren Preise im Tourismusgebiet Yellowstone und vieles andere. In Rock Springs laden wir unsere Bikes ab, der Fahrer will kein Geld, wir bedanken uns. Wieder auf dem Radl machen wir uns auf die Suche nach dem KOA Campground, der noch ein Stück außerhalb liegt. Endlich relaxen. Radlzeugs waschen, Eis essen, richtig duschen, rasieren und dann ein wahres Festessen: Spagetti, Mais, Champignons, Chili Con Carne und dazu O-Saft. Peter schreibt noch fleißig Karten, ich flicke den Schlauch. Der Komfort eines Campground ist auch nicht zu verachten.





6. Tag (12.8.00): Rock Springs - Fontenelle
Keine sehr ruhige Nacht. Die im Zelt neben uns hat geschnarcht, dass es nur so gekracht hat. Super Frühstück mit Cornflakes und kalter Milch. Dann wieder zurück auf den Highway. 16 Milen bis Green River. Wir schicken ein Packet mit gut 13 Pfund Winterausrüstung (Handschuhe, dicke Regenjacke, Regenhose, etc.) nach Hause und zahlen dafür satte $30. Ist doch etwas strange mit dem Zeugs bei 35°C durch die Wüste zu fahren. Mein Mini-Catadynfilter wandert auch gleich ins Paket, Peter will sich eine großen neuen kaufen, leider finden wir jedoch keinen. Danach Pizza Hut, All you can eat für $4,69. Gilt leider nur Wochentags und so müssen wir uns mit einem kleinen Menü begnügen. Vor uns stehen satte 73 Milen wieder durch Steppe und Wüste. Zwischendrin ein kleines Etwas namens Fontenelle. Keiner kann uns sagen ob's da Wasser gibt. Vorsichtshalber wieder komplett voll tanken - ca. 15 Liter Wasser. Dann wieder rein in die Wüstenlandschaft. Der Asphalt vor uns flimmert von der Hitze, wir sind wie immer gebadet in Schweiß und Sonnencreme - null Schatten. Die ersten 20 Milen gehen noch ganz gut, danach wird's immer härter. Wir kippen uns das Wasser rein wie in ein Fass ohne Boden. Um 17:15 Uhr ist's noch 35°C heiß. Gegenwind. Irgendwann geht's nur noch in Zeitlupe voran, teilweise unter 10 km/h, dazu noch viele Pausen, die jedes Mal länger werden. Peter ist völlig am Ende. Auf einmal können wir in der Ferne eine Tankstelle erkennen. Fata Morga-na? Doch sie verschwindet nicht als wir näherkommen. Und tatsächlich treffen wir in Fontanelle auf eine kleine Tankstelle, in der wir sogar kalte Sprite, Eis, kalten Kaba, kalten O-Saft und Wasser kaufen können. So einfach kann man uns glücklich machen, damit haben wir absolut nicht gerechnet. Als zwei Typen uns dann noch sagen, dass es in ca. 1 Mile einen Campground am Fluss gibt sind wir völlig baff. Auf uns wartet ein riesiger, kostenloser Campground, eine kleine Oase mit Bäumen und Fluß inmitten der Wüste. Bei Lagerfeuer, einem Topf Nudeln, Chips&Salsa und Mondschein, der die Taschen-lampen praktisch überflüssig macht lassen wir den sehr erlebnisreichen Tag ausklingen.








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