11. Tag (17.8.00): KOA Teton Village - Trail Creek Campground hinter Wilson Pass
Ein total verrückter Tag. Die Mädels vom Nachbarplatz haben uns gesagt, dass der South Entrance vom Yellowstone wegen des Waldbrandes jetzt gesperrt ist. Das würde unsere ganze Routenplanung durcheinander werfen. Wir beschließen zunächst wie geplant zum Visitorcenter in Moose zu fahren und dort weiterzusehen. Während des Frühstücks ist's noch saukalt und feucht. Wir machen uns mit Fleece auf den Weg. Gerade will ich meinen Huger Spy Fahrradcomputer starten, da macht er nur eine kleine Pips und einen kompletten Reset. Die gesamte Touraufzeichnung des Spy's bis dahin futsch. Mein Vertrauen ist nach diesem und dem Ausfall in Ouray, CO 1998 in den Tacho nun vollständig dahin. Vorbei geht's an dem Skigebiet Jackson Hole, bald wird die Straße kleinen, der Asphalt hört auf, durch grüne Wälder, viele kleine Kurven und Hügel. Kurz vor Moose kaufen wir in einem kleinen Laden Nudeln, Peter kauft Briefmarken. Bei dem Teton Park Headquarter erwarten uns schon am Eingang Schilder mit der Aufschrift "Yellowstone South Entrance closed". Die Mädels heute morgen hatten keinen Witz gemacht. Wir unterhalten uns mit einer Rangerin, keine weiß, wie lang es dauern wird. Kann 1 Tag sein, kann aber auch 2 Wochen dauern. Sollen wir 2-3 Tage im Teton Nationalpark bleiben, Wanderungen machen und abwarten? Sollen wir den ca. 140 Milen-Umweg (2-3 Tage) über Idaho nehmen und auf die Tetons verzichten. Was, wenn wir über Idaho fahren, und der Südeingang heute Abend wieder geöffnet wird? Was, wenn wir warten und nach 3 Tagen immer noch alles zu ist? Wir haben nicht viele Tage Luft in unserer Planung. Würde bedeuten, dass wir weniger Zeit für den Yellowstone haben. Das wollten wir auf keine Fall riskieren und so beschlossen wir nach einer weiteren Unterhaltung mit einer Rangerin, den Umweg über Idaho zu nehmen. Schade um den Jackson Lake und den Teton Nationalpark, aber das Risiko zu warten erscheint uns zu groß. Gerade haben wir uns auf den Weg zurück Richtung Wilson gemacht, da setzt ein starker Gegenwind und heftiger Regen ein. Von jeder Böe wird man hin und her geworfen, Sand peitscht einem ins Gesicht. Radfahren ist praktisch nicht mehr möglich. Hatten wir die richtige Entscheidung getroffen? Bei dem Regen werden die den Waldbrand sicher bald unter Kontrolle haben. Egal, wir hatten die Entscheidung getroffen und keine Lust sie wieder in Frage zu stellen. Wir entgehen dem stärksten Regen durch den Besuch eines Supermarktes bei Teton Village. Vorräte wieder auffüllen, eine super belegten Truthahn- Burger essen. Es regnet noch immer in Strömen. Peters gute Regenjacke liegt im Packet auf dem Weg nach Deutschland, jetzt muss die $8-Plastik-Jacke ran. Wir werfen uns in Schale und weiter geht's durch den strömenden Regen. Gott sei Dank jetzt bergauf, so bleibt man warm. Angekommen auf dem Wilsonpass ist das Wetter wieder besser, der Regen hat praktisch aufgehört. Es folgt eine rasante Abfahrt, bis wir kurz vor der Staatsgrenze von Idaho den Trail Creek Campground finden, auf dem wir für die nächste Nacht bleiben. $8 in einen Umschlag, Namen+Platznummer drauf, wie immer. Schöner Platz mit Bach hinter dem Zelt. Das Wetter ist wieder trocken, wir hängen die nasse Kleidung über die abgestellten Räder. Es gibt Reis mit Chili con Carne, einen heißen Kaba und eine Tüte Chips. Leuchtende Abendsonne. Vielleicht schaffen wir es bis übermorgen Abend nach West Yellowstone.
12. Tag (18.8.00): Trail Creek Campground hinter Wilson Pass - Buffalo State-Campground
Gleich nach dem Aufstehen erzählt uns die Campground-Host-Dame, dass wir heute nacht Bärenbesuch auf dem Platz hatten, sie hat am morgen frische Spuren vor ihrem RV gefunden. Vielleicht sollten wir in Zukunft doch die Vorsichtsmaßnahmen ernster nehmen, Lebensmittel über Nacht entfernt vom Zelt, luftdicht verpackt, unzugänglich für Bären aufzubewahren. Noch während des Frühstücks setzt der Regen wieder leicht ein. Wir brechen das Frühstück ab, um noch Zelt, Schlafsäcke etc. trocken reinzukriegen. Die weitere Abfahrt im Regen wird recht kühl. In Victor machen wir in strömendem Regen bei einem Grocery-Store halt um wieder Wasser und Gatorade zu kaufen. Vor dem Store steht ein merkwürdiger Typ mit seinem Pickup. Peter wird von ihm angequatscht, er will uns ein Stück mitnehmen. Peter hat keine Bock auf weiterradeln im Regen. Ich bin nicht sehr begeistert. Trotzdem laden wir die Bikes auf den PickUp und steigen ein. Totales Chaos in dem Wagen, wir räumen uns zwei Plätze frei, Peter hinten, ich vorne auf dem Beifahrersitz. Schon nach wenigen Milen hat der Regen aufgehört doch der Typ will uns unbedingt bis West Yellowstone fahren. Er verspricht uns dauernd, dass er es keinem Weitererzählen wird, denkt der wirklich wir wurden gezwungen mit dem Rad zu fahren? Der Typ ist immer dubioser geworden und wir nutzen im nächsten Ort ein Ampel um schnell wieder auszusteigen. Das Wetter wurde immer besser und mit dem einsetzenden Rückenwind ging es recht flott nach Ashton, Marysville und Warm River. Getreidefelder glänzen golden in der Sonne, soweit das Auge reicht, rechts von uns ein wunderschöner Blick auf die Tetons. Ab Warm River wird die Straße wieder kleiner, wir entfernen uns von den Getriedeflächen und sind bald wieder in bewaldetem Gebiet. Über einen kleinen Pass erreichen wir Lower Mesa Falls. Schöner Wasserfall, State-Campground und eigentlich unser Tagesziel. Leider kein Wasser. Unsere Vorräte sind mal wieder erschöpft und so haeben wir die Wahl, das einer von uns den Fußpfad durchs Dickicht bis zum Wasserfall mit dem Wassersack absteigt (sicherlich ein Fußmarsch von gut 40 Minuten) oder weiterzufahren und woanders auf Wasser zu hoffen. Wir entscheiden uns für letzteres. Weiter zum Upper Mesa Falls. Dort kein Campground und praktisch keine Chance ans Wasser zu kommen. Kurz überlegt, Karte raus und nachgerechnet und dann entschlossen weiterzufahren. Noch ca. 20 Milen bis zum Highway 20 und das um 17:30 Uhr. Wir haben keine Zeit mehr zu verschenken. Wir quälen uns wieder die Stichstraße der Mesa Upper Falls hinauf, da haben wir ihn gesehen. Unser erster Bär. Ein Schwarzbär steht ca. 100 m vor uns mitten auf der Schotterstraße. Als er das Klicken unser Pedalen beim Absteigen hört, ist er leider jedoch so schnell im Gebüsch verschwunden, dass wir keine Chance haben ein Foto zu machen. Schade. Trotzdem ein super Erlebnis, einen Schwarzbären in freier Natur zu sehen. Die letzten Milen des Tages kosten unsere letzte Kraft. Dank Powerbar erreichten wir dann jedoch noch eine riesigen State-Campground am Highway 20. Peter baut das Zelt auf, ich organisiere Kartoffeln, Alufolie und Quark-Dip in einem nahegelegenen Shop. Die im Lagerfeuer gebackenen Kartoffeln schmecken herrlich. Am morgigen Tag sind es nur noch 31 Milen bis West Yellowstone.
13. Tag (19.8.00): Buffalo State-Campground - Wagon Wheel Campground West Yellowstone
Nach der Monsteretappe von gestern heute nur relaxte 31 Milen bis West Yellowstone. Die Straße ist relativ groß aber ange-nehm zu fahren. Am Straßenrand kaufen wir Jerky aus eigener Produktion, auf dem kleinen Pass füllt sich Peter seine Fla-schen an einer wohl ganz bekannten Quelle auf. Einige Leute fahren tatsächlich mit dem Auto etliche Milen um hier ihre Ka-nister mit diesem Quellwasser zu füllen. Keine Ahnung was das für heilende oder sonstige Wirkung haben soll. 5-6 Milen vor West Yellowstone liegt ein großer komfortabler KOA-Campground. Sieht gut aus, ist uns aber zu weit abseits, wir wollen gleich das Problem mit den Kästen Regeln und auch der Greyhound in 6 Tagen geht direkt in West Yellowstone los. So fahren wir weiter. In West Yellowstone suchen wir zunächst den Radlladen. Man verspricht uns Kisten, wenn wir am Nachmittag wiederkommen. Super! Danach wollen wir die Greyhound-Rückfahrt regeln, fragen im Visitorcenter nach der Station, und finden sie schließlich erst mit Karte und mehrmaligem Nachfragen. Greyhound ist mit Western Union zusammen in einem kleinen Häuschen, ohne Schild oder sonstige Kennzeichnung. Die Buskarten kosten $111, aber wir haben keine andere Wahl. Wenigstens ist jetzt alles geregelt. Nicht weit entfernt von der Greyhound-Station finden wir den kleinen Campground "Wa-gonWheel" der als Familienbetrieb geführt wird und von Ken äußerst sauber und liebevoll unterhalten wird. Noch nie haben wir einen so bemühten Campingwart getroffen. Er zeigt und Stellplatz, Duschen, deckt uns mit Gutscheinen für die verschie-densten Sachen in West Yellowstone ein und gibt uns Tipps, was man hier alles machen kann. Wir bauen das Zelt auf, Wa-schen und Duschen uns, danach holen wir die Bikekisten, Stück $3 Dollar. Wir würden wohl auch $20 Dollar das Stück bezah-len, eine große Sorge bei OneWay-Radtouren ist getilgt, wir haben die obligatorischen Kisten für die Rückfahrt/den Rückflug. Für den Rest des Tages gibt's eine Touri-Runde durch den Ort, Essen beim KFC, Outdoor-Läden abgeklappert, Grizzly-Center besucht, im Imax Yellowstone angeschaut, abends in einem 50er Jahre Restaurant ganz feudal eine MegaBurger verspeist, das Eis bei DairyQueen ging dann nur noch mit Gewalt.
14. Tag (20.8.00): West Yellowstone - Grant Village Campground
Gut geschlafen auf dem ruhigen Platz, wir reservieren den Platz gleich noch für die letzte Nacht vor der Greyhound-Abfahrt, nach unserer Yellowstone-Runde. Unsere Bikeboxen können wir in einer Abstellkammer sicher unterstellen. Für alle Fälle schreiben wir noch unsere Namen drauf, damit sie keiner für Abfall hält und wegschmeißt. Noch ein letztes luxuriöses Frühstück in einem Cafe in West Yellowstone bevor wir Richtung Nationalpark aufbrechen. Schon kurz hinter dem Parkeingang sehen wir riesige Gebiete in denen abgebrannte Bäume wie Streichhölzer durcheinander liegen. Gespenstisches Bild. Von den aktuellen Waldbränden merken wir hier nichts, außer die Löschflugzeuge, die im 5 Minuten-Takt von West Yellowstone starten. Wir sehen eine Menge Wild: Hirsche, Schwäne, Pelikane und einen 10-Ender, der umringt von fotografierenden Touristen direkt an der Straße steht. Hinter Madison Junction nehmen wir eine kleinen Schotterweg, der für Autos gesperrt ist und uns vorbeiführt an unserer ersten kleinen heißen Quelle. Wir haben keine Ahnung was uns im gesamten Park noch alles an Quellen und Geysiren erwartete und waren wir begeistert von den tiefblauen Farben, dem blubbernden, kochend heißem Wasser. Zurück auf der großen Parkstraße kommen wir bald an das Lower Geysir Becken und kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Überwältigend. Überall blubbern heiße Quellen hervor, die Becken haben atemberaubende Farben und meist kristallklares Wasser, so dass man den Geruch nach faulen Eiern (Schwefel) bald nicht mehr wahr nimmt. Vorbei an weiteren kleinen Geysiren erreichen wir Old Faithful, den wohl bekanntesten Geysir. Er spuckt zwar nicht am höchsten, dafür kann man sich aber darauf verlassen, dass er ca. jede Stunde spuckt. Wir haben Glück und der nächste Ausbruch steht unmittelbar bevor. Wie in einem Sportstadion haben Hunderte von Touristen auf den Bänken platzgenommen und warten auf den Ausbruch. Wir stellen uns dazu und beobachten das Schauspiel. Beeindruckend. Im nahegelegenen Visitorcenter erhalten wir auch Lebensmittel und füllen unsere Vorräte wieder auf, machen eine Pause und essen Kekse. Bis zum Campground für die nächste Nacht haben wir noch 2 Pässe über 2500m zu überqueren und so machen wir uns bald wieder auf den Weg. Schließlich rollen wir im Licht der Abendsonne mit Blick auf den Yellowstone Lake die letzten Meter zum Campground. Bei der Abzeigung Richtung Yellowstone South Entrance sehen wir, dass dieser noch immer gesperrt ist. Wir haben die richtige Entscheidung getroffen, nicht zu warten sondern über Idaho zu fahren. Außerdem hat sich dieser Umweg allein wegen der wunderschönen Landschaft in Idaho auch schon gelohnt. Der Park-Campground in Grant Village ist größer als jeder State-Campground den wir bis dahin gesehen haben. Trotzdem ist er schön im Wald gelegen. Überall Bärenwarnungen, aber wir genießen unsere Lipton-Nudeln, Snyders Pretzeln, ChipsAhoi Cookies, Tostitos & Salsa. Für die Nacht verstauen wir unser Gepäck bärensicher in der Bärenbox. Es ist ziemlich kalt, wir sind weit über 2000 Meter hoch.