1. Tag (7.8.00): Flug: München-London-Denver
Um 8:45 Uhr gings los. Die Bikes sind sorgfältig in Kartonkisten verpackt, der Rest ist im Rucksack (Peter) und in Form von Ortliebtaschen in einem Seesack verstaut (ich). Wir verladen die Bike-Kartons in den Uno und sichern die Heckklappe mit einem Gummizug. Am Flughafen müssen wir bei British Airways 100 DM pro Bike-Karton draufzahlen, dann aber sind die Kisten weg und wir steigen ins Flugzeug, dass mit ca. ½ Stunde Verspätung Richtung London abhebt. Wir haben schon Angst, dass es mit dem Anschlussflug in London sehr knapp werden könnte. Beim Aussteigen ist jedoch schon eine Dame postiert, die alle Denver-Reisenden im Laufschritt zum richtigen Gate bringt. Hoffentlich haben die das in der kurzen Zeit mit Rädern auf die Reihe bekommen. Nach ca. 9 Stunden Flug landen wir auf dem riesigen Denver International Airport. Der Officer bei der Immigration hat keine Probleme damit, dass wir KOA Campground Steamboat als erste Unterkunft angegeben haben und wünscht uns einen schönen Urlaub. Die sind hier doch wesentlich freundlicher hier als die Einreisebehörde in New York. Unsere Taschen sind mit die ersten, waren wohl in Londen als letzte eingeladen worden. Aber kaum haben wir sie in der Hand wird Mr. Flenker über die Lautsprecher aufgerufen. Uns schwant schon nichts Gutes. Und so ist es dann auch. Unsere Bikes sind in London/Gatwick hängengeblieben. Der Greyhound nach Steamboat war auch bereits abgefahren, und da wir nur wenig Bock drauf haben, die Nacht auf der Denver Greyhound-Busstation zu verbringen, machen wir der British Airways klar, dass wir unsere gesamte Campingausrüstung in den Bike-Boxen haben und geplant hatten die erste Nacht in Steamboat zu campen. So gelingt es uns eine Hotelübernachtung rauszuhandeln. Wir erhalten ein Hotelgutschein und warten auf den Shuttle-Bus. Wie sich bald herrausstellte, waren wir auf dem Weg zu einem edlen Sheraton-Hotel. Nobler haben wir wohl noch nie eine Biketour angehen lassen. Bei einem Mexikaner essen wir zu Abend und genießen das letzte mal für ca. 3 Wochen ein komfortabler weiches Bett.
2. Tag (8.8.00): Greyhound: Denver - Steamboat Springs
Auch das Frühstück am nächsten morgen im Sheraton-Hotel ist fürstlich. Mit Joghurt, Müsli und sogar Erdbeeren und anderen Früchten. Wir haben für 7:00 Uhr ein Taxi bestellt, dass uns vom Hotel in die Innenstadt von Denver zum Greyhound Bus Terminal bringen soll. Als um 7:20 Uhr immer noch nichts vom Taxi zu sehen ist, werden wir nervös. Der freundliche Herr hinter dem Empfang ruft nochmals bei der Gesellschaft an und bestellt für alle Fälle auch gleich bei der Konkurrenz noch ein Taxi. Um 8:15 fährt unser Greyhound und die Zeit drängt. Gegen 7:30 Uhr erscheint unser Taxi und wir machen uns auf den Weg zur Greyhound-Station. Wir unterhalten uns mit dem freundlichen, nigerianische Taxifahrer über die Waldbrände in den Rockies. 5 Minuten vor 8 Uhr treffen wir bei der Greyhound-Station ein, bezahlen ca. $20 fürs Taxi und stürzen in die überfüllte Wartehalle. Lange Schlangen sowohl an dem Ticketschalter wie auch vor dem Gate, an dem unser Bus wegfährt. Ich stelle mich an dem Ticketschalter an, während Peter in der Schlange zum Bus wartet. Zum Glück werden statt einem, mehrere Busse eingesetzt, so dass wir noch einen Platz bekommen. Wieder eine Stunden Verspätung. August ist Hochsaison. Aber immerhin sitzen wir in einem Bus und sind Richtung Steamboat unterwegs. Immernoch ohne Räder, aber die bekommen wir ja von British Airways nachgeliefert. Hoffentlich! Gegen Mittag kommen wir in Steamboat an und steigen bereits beim ersten Stop aus. Leider war dieser Stop nicht wie vor 2 Jahren beim Wendys. Also erst mal zum Walmart und 2x2 Liter Grapefruit-Limo gekauft, die Hitze macht durstig. Das Stück Pizza für $5 wollen wir uns nicht leisten und so geht's gleich weiter zu Fuß Richtung KOA-Campground. Wir kommen vorbei am altbekannten Wendys und entschieden uns für einen ersten Burger. Ich musste eine geschlagenen halbe Stunde anstehen, Peter hat sich bereits Sorgen gemacht. That's Fast Food! Danach gehts dann wirklich los. Zu Fuß vom anderen Ende von Steamboat bis zum außerhalb gelegenen Campground. Ewig weit, schwerer Rucksack/Seesack, 33°C, kein Schatten in Sicht und unbequeme Radlschuhe. Ich kaufe mir einen Cowboy-Hut um etwas sonnengeschützt zu sein. Nachdem uns der Regionalbus mehrmals überholt hat, haben wir gesehen, dass dieser sogar kostenlos gewesen wäre und direkt vorm Campground hält. Schön blöd, ich habe mir eine dicke Blase an der Ferse eingefangen. Beim KOA werden wir dafür mit einem kühlen Swimming-Pool belohnt, in den wir mangels Badehose mit unseren Radlsachen steigen. Am späten Nachmittag machen wir uns nochmals nach Steamboat auf, diesmal mit dem Bus. Wir lassen uns an einer Tankstelle unsere Kocher-Benzinflasche auffüllen, essen ein Eis und kaufen uns den Wyoming-Topo-Atlas. Der erste Topf Fertig-Kässpätzle und etwas Routenplanung, dann recht erschöpft ins Zelt. Die Nacht wird etwas unbequem. Meine TermARest ist in der Bikebox und damit nicht verfügbar. Wenn's weiterhin so heiß bleibt, wie an diesem Tag, dann steht und was bevor!
3. Tag (9.8.00): Steamboat Springs - hinter Three Forks Ranch
Wider aller Erwartungen hat der Tag sehr gut angefangen, und zwar um 1:00 Uhr in der Nacht. Nein, keine Barbecue-Party sondern das Röhren eines fetten 8 Zylinders direkt vor unserem Zelt. Verschlafen öffne ich das Zelt und schiele nach draußen, dann hab ich's gechecket, die Bikes waren da! Schnell aus dem Zelt, dem Boten geholfen, die großen Kästen auszuladen, dann wieder ins Zelt und weitergeschlafen. Da schickt British Airways doch wirklich einen Boten von Denver nach Steamboat, 190 Milen durch die Nacht um uns unsere Bikeboxen zu bringen. Das ist ein Service! Um 6:40 Uhr aufgestanden, schnell gewaschen, die Bikes zusammengebastelt, gefrühstückt, um 9:00 Uhr gehts los. Mitten in Steamboat merken wir, dass unser Abzweig kurz hinter dem KOA gewesen wäre, also wieder zurück und richtig gen Norden abbiegen. Ein Auto mit zwei Rennrä-dern überholt uns. Wir erkennen Peter und Dawn wieder, die wir bereits am Tag zuvor in Steamboat getroffen hatten, da aller-dings noch ohne unsere Bikes. Sie halten sofort, am nächsten Parkplatz machen sie ihre Rennräder flott und wir fahren ge-meinsam bis zum Steamboat Lake. Dawn kommt an einer Passhöhe nicht aus ihren Clicks raus und stürzt. Wir verarzten sie mit unsere Desinfektion und sie steigt wieder tapfer aufs Rad. Wie wir erst in Deutschland per email erfahren, hat Dawn sich bei diesem Sturz das Handgelenk angebrochen. Wie muß sie ihre Zähne aufeinandergebissen haben um noch mit uns zum Lake Steamboat zu fahren! Die Ranger-Station am Lake Steamboat wird von 3 feschen Mädels wohl als Schulferienjob be-treut. Lange diskutieren wir mit ihnen über die Möglichkeiten unserer weiteren Route. Vor allem Wasser ist das Problem. In-formationen über Bäche und Flüsse entnehmen sie leider auch nur aus den Karten und später müssen wir feststellen, das es sich dabei meist nur um Schlammlöcher oder ganz ausgetrocknete Flussbetten handelt. Trotzdem, hat Spaß gemacht sich mit den netten Mädels zu unterhalten. Wir machen eine längere Pause im Schatten des Vordachs, die Hitze macht meinem Kreis-lauf gewaltig zu schaffen. Dann Flaschen randvoll auffüllen, mit Peter und Dawn Adressen austauschen, verabschieden und weiter geht's. Bei einer kleinen Häuseransammlung hört der Asphalt auf. Wir können dort noch ein Laib Brot kaufen bei einem alten Mann mit weißem Bart, so wie man ihn auch in Bayern auf einer Alm hätte treffen können. Die folgenden Steigungen machen mir gewaltig zu schaffen. Die schlechte konditionelle Vorbereitung (ich habe vor der Tour Diplomarbeit geschrieben) und die Hitze machen mir zu schaffen. Völlig am Ende überrede ich Peter an einem kleinen Wasserloch die Tagesetappe zu beenden. Die Fliegen nerven, mein kleiner Wasserfilter will das Wasser nur tröpfchenweise bei großem Krafteinsatz filtern. Wasser reicht unmöglich für Nudeln. Kein Mensch weit und breit. Als es etwas kühler wird geht's mir wieder deutlich besser, wir beschließen doch noch weiterzufahren. Völlig unerwartet kommen uns 2 Radler entgegen, seit 6 Wochen unterwegs, in Kanada losgefahren, Ziel Mexiko. Haben sich unterwegs getroffen, von ihren jeweiligen Radlergruppen getrennt und sind jetzt gemeinsam unterwegs. Wenn das mal keine Verbindung fürs Leben wird! Sowohl wir, wie auch sie freuen sich riesig. Sie geben uns den Tipp, dass es wenige Meilen weiter eine Ranch gibt, wo man nach Wasser fragen kann und schenken uns ihre Wyoming-Karte die sie jetzt nicht mehr brauchen. Super. Motiviert geht's weiter, bis wir auf die riesige Three Forks Ranch treffen. Wir können unsere Wasservorräte an einem Wasserschlauch auffüllen. Wassersack, die Limoflaschen und alle Radlflaschen, insgesamt über 14 Liter. Wir haben die Gelegenheiten, unsere Wasservorräte aufzufüllen, zu schätzen gelernt. Leider war's per Gesetz verboten auf dem Grund der Ranch zu campen. Angeblich gibt's Gelegenheiten 2-3 Milen weiter. Wir finden nur Schilder "ne trespassing". Egal jetzt reicht's. Wir bauen das Zelt auf einem staubtrockenen Lagerplatz für Heuballen auf. Die Wiese nebenan mit kleinem Fluss kommt wegen den Mücken nicht in Frage. Wir sind nach nur einem Tag Step-pe/Wüste total fertig. Die Route wird so geändert, dass wir durch Wald kommen, und wenn wir ein Stück per Anhalter/Bus fahren müssen. Wir essen nur Suppe, man muss sich richtig zum Essen zwingen. Wüste ist definitiv nichts für uns. Später ziehen wir uns dann doch noch einen Topf Nudel rein. Wir schlafen schnell ein.